



Kindheit und Jugend
MICHAEL FARADAY wurde am 22. September 1791 in Newington-Butts, einem
südlichen Vorort Londons, als drittes Kind eines Grobschmieds und
seiner Ehefrau, der Tochter eine Pächters, geboren. Gleich anderen
Söhnen aus Arbeiter- und Handwerksfamilien zu jener Zeit erhielt
FARADAY eine Ausbildung, über die er selbst sagte:
"Meine Erziehung war von der gewöhnlichsten Art und beschränkte
sich fast nur auf Anfangsgründe des Lesens, Schreibens und Rechnens
in einer Volksschule."
Mit dreizehn Jahren wurde er Laufbursche bei einem Buchhändler und
Buchbinder, ein Jahr darauf begann er dort eine Buchbinderlehre, für
die seine Eltern wegen der vielen Hilfsdienste ihres Sohnes für den
Buchbinder kein Lehrgeld bezahlen mussten, eine Ausnahme in dieser Zeit.
FARADAY las jedoch auch die Bücher, die er band. Ein Band "Gespräche
über die Chemie" und andere Bücher regten ihn zu
chemischen und elektrischen Experimenten an. Er wurde von einem Hausbewohner
im projektiven Zeichnen unterwiesen, trat mit besser Gebildeten, insbesondere
einem Medizinstudenten, in einen wissenschaftlichen Briefwechsel, um seinen
Ausdruck zu verbessern, besuchte Vorträge und hielt auch selbst solche
in einer populärwissenschaftlichen Vereinigung von Bürgern und
Arbeitern. Der mit der Aufklärung und in England durch die Industrielle
Revolution aufgekommene Bildungsdrang der untersten Volksschichten hatte
auch FARADAY erfasst.
Erste wissenschaftliche Assistentenstelle
1812 hörte FARADAY vier Vorlesungen des bekannten Chemikers DAVY
in der "Royal Institution", einer 1800 gegründeten Einrichtung,
die aus dem Bedürfnis entstanden war, naturwissenschaftliche Erkenntnisse
für die Praxis aufzubereiten.
FARADAY bewarb sich nach Abschluss seiner Lehre bei DAVY, dem damaligen
Präsidenten der "Royal Institution", mit der Ausarbeitung
von dessen Vorlesungen um eine Stelle und hatte das Glück, 1813 eine
freie Assistentenstelle zu erhalten. Im selben Jahr begleitete er DAVY
auf einer zweijährigen Europareise, die ihn nach Frankreich, Italien,
Deutschland und den Niederlanden führte und auf der er führende
Wissenschaftler wie AMPÈRE
und GAY-LUSSAC kennenlernte. Seine
Freude an der Reise war nicht ungetrübt, da ihn die reiche Lady DAVY
mehr als Diener betrachtete, doch er wusste seine Stellung aufzuwerten
und sich zu behaupten.
FARADAYs anfängliche Untersuchungen galten vorwiegend der Chemie.
1816 veröffentlichte er eine chemische Analyse des Ätzkalks,
danach entdeckte er zwei Chlorkohlenstoffe, stellte 1823 Chlor in flüssiger
Form dar, und 1824 fand er bei der Destillation der Nebenprodukte der
Verkokung das Benzol und das Butan.
In technischer Hinsicht beschäftigte er sich mit der Herstellung
von rostfreien Stahllegierungen (1820 bis 1822) und von Gläsern mit
großer Brechzahl (1825 bis 1829). Das von ihm entwickelte Borsilikat-Bleioxid-Glas
benutzte er später für seine magnetooptischen Versuche.
Mit diesen und weiteren physikalischen Arbeiten festigte FARADAY seine
Stellung, wurde 1821 Oberinspektor an der Royal Institution und heiratete
im selben Jahr die Tochter eines Silberschmieds.
Die Entdeckung der elektromagnetischen
Induktion
Bereits 1822 notierte er in sein Tagebuch: "Verwandle
Magnetismus in Elektrizität." Nach vielen vergeblichen
Versuchen fand er Ende August 1831 bei einem Experiment mit zwei unabhängigen
Wicklungen auf einem geschlossenen Ring (Bild 3) die erste Andeutung der
Erzeugung von elektrischem Strom durch Magnetismus, als er "nicht
wie erwartet bei geschlossenem Primärkreis " sondern
beim Schließen und Öffnen des Primärkreises mit Batterie
einen Ausschlag des einfachen Elektroskops im Sekundärkreis bemerkte.
Im folgenden Vierteljahr fand er alle uns heute bekannten Grundversuche
zur elektromagnetischen Induktion und konstruierte ein Gerät zur
kontinuierlichen Stromerzeugung, die Urform des elektrischen Generators.
Die Gedanken von der Einheit der Natur
Der Leitgedanke seiner Entdeckungen war der Begriff "Induktion"
im allgemeinen Sinne als Erregung eines Zustandes durch einen anderen
gewesen. Schon das weist auf FARADAYs Grundauffassung über das physikalische
Geschehen hin, die er immer mehr ausbaute. FARADAYs Grundauffassung war
geprägt von der Einsicht in die "Einheit der Natur". Die
führte ihn in zwei Richtungen zu Erfolgen.
Zum ersten führte sie FARADAY zu einer Reihe von Untersuchungen,
aus denen er die Einheit der "elektrischen Kraft" bei unterschiedlicher
Erzeugungsart (Reibungselektrizität,
durch galvanische Elemente und elektromagnetische Induktion) konstatierte.
Weiterhin erforschte er die Umwandlung von chemischer in elektrische Energie
sowie die Elektrolyse, stellte
1834 die nach ihm benannten elektrochemischen Gesetze auf und prägte
mithilfe eines in der griechischen Sprache versierten Freundes die zugehörigen
eindeutigen Begriffe (Elektrolyt,
Elektrode, Anode,
Katode, Ion,
Kation, Anion).
Er folgerte daraus, dass eine "Erzeugung von Kraft (Energie) aus
dem Nichts" unmöglich sei und bereitete von dieser Seite her
die Entdeckung des Energieerhaltungssatzes mit vor.
Zum zweiten entwickelte FARADAY die Theorie der Feldlinien,
zuerst ausgehend von der anschaulichen Darstellung mithilfe von Eisenfeilspänen.
Die heutigen Darstellungen von Feldern mithilfe von Feldlinienbildern
gehen auf FARADAY zurück.
Auf der Suche nach dem Wesen des Lichtes
Auf der Suche nach Zusammenhängen zwischen Licht und Magnetismus
entdeckte Faraday, dass sich die Schwingungsebene des linear polarisierten
Lichts im Glas durch ein starkes
magnetisches Längsfeld dreht. Der als FARADAY-Effekt bekannte Zusammenhang
regte ihn an, Stoffproben in starken magnetischen Feldern zu untersuchen.
Er entdeckte dabei die von ihm so benannten dia- und paramagnetischen
Stoffe, deren Verhalten er durch die Einführung der Permeabilität
("Leitfähigkeit für magnetische Kraftlinien") charakterisierte.
Auf diese Weise vertiefte er seine Lehre von den elektrischen und magnetischen
Feldlinien, betrachtete sie als eine physikalische Realität und trug
1846 in einer Vorlesung, veranlasst durch den Ausfall des eigentlichen
Vortragenden, seine noch unvollendeten "Gedanken über Strahlungsschwingungen"
vor, in denen er die Meinung äußerte, dass Lichtwellen vielleicht
nichts anders seien als Schwingungen von Feldlinien, sodass der Äther
als Träger des Lichts entbehrlich wäre. Diese kühne Hypothese
"wie auch FARADAYs gesamte Feldtheorie"
wurde lange Zeit kaum beachtet, sogar als Spekulation zurückgewiesen,
bis MAXWELL 1855 begann, sie mathematisch
auszuarbeiten.
Faradays letzte Jahre
Nach 1850 zog sich FARADAY mehr und mehr zurück. 1857 lehnte er es
ab, die Präsidentenschaft der Royal Society zu übernehmen, und
1861 legte er sein Professorenamt nieder. Seine letzten vergeblichen Überlegungen
und Versuche waren darauf gerichtet, Spektrallinien
durch Magnetfelder zu beeinflussen bzw. einen Zusammenhang zwischen Elektrizität
und Gravitation aufzufinden, beides Ideen von großer Tragweite.
Am 25. August 1867 starb Faraday in Hampton Court bei London.
Obwohl sich in seinem Werk keine schwierigere mathematische Berechnung
findet, hatte FARADAY durch seine Entdeckungen und den Aufbau der Feldtheorie
einen Wandel in den theoretischen Grundlagen der Physik eingeleitet.