


NIKOLAUS AUGUST OTTO lebte in einer Zeit, die durch tiefgreifende technische Umwälzungen und schnelle technische Entwicklungen gekennzeichnet war. Um 1840 war der Energieerhaltungssatz formuliert und allgemein anerkannt worden. WERNER VON SIEMENS (1816-1892) fand mit dem dynamoelektrischen Prinzip die Grundlagen für die Erzeugung von Elektroenergie in großem Maßstab. Telegrafie und Eisenbahnwesen entwickelten sich stürmisch. Dampfmaschinen wurden als Antriebsmaschinen in vielen Bereichen genutzt.
Leben und Wirken
NIKOLAUS OTTO wurde am 14. 6. 1832 in Holzhausen bei Nassau geboren. Schon
in frühester Jugend interessierte er sich für technische Probleme.
Da seine Mutter nach dem frühen Tod des Vaters ihm keine höhere
Schulbildung ermöglichen konnte, wurde er Kaufmann. Tagsüber
stand er hinter dem Ladentisch und verkaufte "Kolonialwaren"
und abends eignete er sich aus Büchern technisches Wissen an.
Nach 1860 begann OTTO, mit einem kleinen Gasmotor zu experimentieren.
Das Prinzip dieses Motors war um diese Zeit bereit bekannt. Der französische
Mechaniker ETIENNE LENOIR (1822-1900) hatte um 1860 bereits einen Leuchtgas-Verbrennungsmotor
gebaut. OTTO war nun bestrebt, diesen Motor zu verbessern und fand dabei
1861 das 4-Takt-Prinzip. Finanzielle
Schwierigkeiten konnte er durch Zusammenarbeit mit dem Ingenieur EUGEN
LANGEN (1833-1895) überbrücken, der über etwas Kapital
verfügte. Mit ihm gründete er 1864 die Firma "N. A. Otto
& Cie." In dreijähriger Arbeit gelang es den beiden, einen
funktionsfähigen Motor zu konstruieren.
Inzwischen waren die Techniker GOTTLIEB
DAIMLER (1834-1900) und WILHELM
MAYBACH (1846-1929) in die Firma eingetreten, die ab 1872 "Gasmotorenfabrik
Deutz AG." hieß. Beide haben große Verdienste um die
Weiterentwicklung der Motoren.
Aber auch Schwierigkeiten blieben nicht aus. So kam es zu persönlichen
Auseinandersetzungen zwischen DAIMLER und OTTO. Sie führten u. a.
dazu, dass sich OTTO immer mehr aus der Firma zurückzog. DAIMLER
und MAYBACH verließen 1881 die Firma. Darüber hinaus kam es
zu vielen Patentstreitigkeiten,
die im Rahmen des Konkurrenzkampfes vor allem von anderen Firmen geführt
wurden. So wurde 1884 durch das Reichsgericht das Patent OTTOs für
den Viertaktmotor annulliert, da es angeblich dazu eine vorher liegende
Erfindung des Franzosen ALPHONSE BEAU DE ROCHAS (1815-1893) gab.
Bis 1890 waren fast alle Patente von OTTO für nichtig erklärt
worden. Auch im Ausland gingen die Patentansprüche weitgehend verloren.
Trotzdem blieb OTTO ein geachteter und viel geehrter Techniker. Er starb
am 26. 1. 1891 in Köln.
Wissenschaftliche und technische Leistungen
Allgemein verbreitet war um 1860 unter Motorenbauern die Auffassung, dass
bei einem Verbrennungsmotor jede Umdrehung
einen Arbeitstakt haben muss. Um das zu erreichen, baute OTTO einen Vierzylindermotor,
der auch befriedigend lief. Aber auch Mängel waren nicht zu übersehen,
die die Produktionsreife des Motors verhinderten.
So beherrschte OTTO noch nicht die Steuerung der Zündung und des
Verbrennungsvorganges. Lager und Gelenke waren der Stoßbelastung
nicht gewachsen. Deshalb konzentrierte er sich zunächst auf den Bau
von Gasmotoren, die er nicht patentieren konnte,
weil das Prinzip bekannt war.
Besonders erfolgreich war die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur EUGEN LANGEN
ab 1864. In dreijähriger harter Arbeit gelang es OTTO und LANGEN,
den Gasmotor (Bild 2) so weit zu verbessern,
dass sie 1867 sogar die Serienproduktion aufnehmen konnten und ein bis
1874 befristetes Patent erhielten. Auf der Pariser Weltausstellung 1867
wurde der Gasmotor von OTTO und LANGEN
mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Gemeinsam mit GOTTFRIED DAIMLER und WILHELM MAYBACH wurde versucht, die
Leistung der Maschinen zu erhöhen (Bild 3). Trotz vieler Versuche
kamen sie über 3 PS nicht hinaus. Bei Vergrößerung der
Motoren stieg der Treibstoffverbrauch stark an, die Leistung aber kaum.
Das begrenzte die Einsatzmöglichkeiten des Motors. In vielen Firmen
zog man weiter die Dampfmaschine vor.
Technische Weiterentwicklungen unter Nutzung der bisher gesammelten Erfahrungen
führten schließlich in den achtziger Jahren des 19. Jahrhundert
zu deutlichen Fortschritten: 1881 wurden bereits 50-PS-Zwillingsmotoren
gebaut, später auch 100-PS-Einzylindermotoren. 1884 hat OTTO noch
einen Benzinmotor mit Magnetzündung
erfunden, der 1885 auf der Weltausstellung gezeigt wurde.
Als Fahrzeugmotoren eigneten sich
die relativ langsam laufenden Motoren aber nicht. Solche für Fahrzeuge
geeignete Motoren entwickelten der 1881 von der Firma Deutz entlassene
DAIMLER und der ihm folgende Chefkonstrukteur MAYBACH in gemeinsamer intensiver
Arbeit. Als erstes mit einem schnell laufenden Verbrennungsmotor ausgestattetes
Fahrzeug absolviert ein Maybach-Daimler-Motorrad 1885 Probefahrten. 1886
schließlich bauten unabhängig voneinander CARL FRIEDRICH BENZ
(1844-1929) in Mannheim sowie WILHELM MAYBACH und GOTTLIEB DAIMLER in
Cannstatt bei Stuttgart die ersten Autos mit Benzinmotor.