

OTTO VON GUERICKE lebte in einer Zeit, in der sich die verschiedenen Naturwissenschaften herauszubilden begannen. Um 1610 wurden die ersten Fernrohre gebaut, KEPLER entdeckte die nach ihm benannten Gesetze der Planetenbewegung, GALILEI fand die Gesetze des freien Falls und CHRISTIAAN HUYGENS erfand die Pendeluhr. Von 1618 bis 1648 wütete der Dreißigjährige Krieg, in der auch die Heimatstadt GUERICKEs, Magdeburg, zerstört wurde.
Leben und Wirken
OTTO GUERICKE wurde am 20. November 1602 in Magdeburg geboren. 1666 wurde
er von Kaiser LEOPOLD geadelt und nannte sich seitdem OTTO VON GUERICKE.
Als Sohn eines alten, seit dem 14. Jahrhundert in Magdeburg ansässigen
Patriziergeschlechtes erhielt GUERICKE eine angemessene Bildung und Erziehung
durch Privatlehrer. Magdeburg war in dieser Zeit eine große Handelsmetropole,
gehörte zur Hanse und war seit 1561 protestantisch.
GUERICKE studierte zunächst in Leipzig und ging 1618, nach Ausbruch
des Dreißigjährigen Krieges, nach Helmstedt. Anschließend
setzte er in Jena des Jurastudium fort. Danach studierte er im holländischen
Leiden, das damals ein geistiges Zentrum in Europa war, und führte
seine Studien speziell zum Festungsbau, zur Mathematik und zu den Naturwissenschaften
fort.
Nach Abschluss des Studiums unternahm er eine Studienreise nach England
und Frankreich. Damit hatte er die drei fortgeschrittensten Länder
seiner Zeit kennengelernt.
Während des 30-jährigen Krieges, im Jahre 1626, kehrte er nach
Magdeburg zurück und wurde zunächst Ratsherr und Ratsbaumeister.
Uneinigkeit im Rat führten jedoch dazu, dass er seine Kenntnisse
nur beschränkt anwenden konnte. 1631 wurde das protestantische Magdeburg
durch die Truppen des kaiserlich-katholischen Truppen unter dem Feldherrn
TILLY bis auf die Grundmauern zerstört. 1632 begann der Wiederaufbau
Magdeburgs. GUERICKE war 20 Jahre damit und mit der Sicherung der Existenz
seiner Familie beschäftigt. 1646 wurde er zu einem der vier Bürgermeister
seiner Heimatstadt Magdeburg gewählt und vertrat diese bei den Friedensverhandlungen
in Münster und Osnabrück, die 1648 den 30-jährigen Krieg
beendeten. Streitigkeiten mit dem Rat der Stadt veranlassten GUERICKE,
sich 1678 aus dem Rat zurückzuziehen.
Als 1681 in Magdeburg die Pest ausbrach, zog GUERICKE zu seinem Sohn nach
Hamburg. Dort starb er am 21. Mai 1686. Ob er in Hamburg oder in Magdeburg
begraben ist konnte bis jetzt nicht eindeutig geklärt werden.
Wissenschaftliche Arbeiten
Als ihm seine Tätigkeit um 1650 endlich Zeit für persönliche
Interessen ließ, begann er sich mit der Herstellung luftleerer Räume
zu beschäftigen. Dabei waren ihm die Experimente, die Jahre vorher
von GALILEO GALILEI , dessen
Schüler EVANGELISTA TORRICELLI
und dem französischen Forscher BLAISE
PASCAL zum Luftdruck durchgeführt wurden, unbekannt.
GUERICKES Experimente wurden von einer philosophischen Frage angeregt,
auf die er eine Antwort suchte. Er fragte nach der Natur des Weltraumes,
in dem er ein Vakuum annahm.
Eine Vorstellung, die mit der kirchlichen Lehre, dass Gott nicht im Nichts
existieren könne, im Widerspruch stand.
GUERICKE versuchte daher, ein Vakuum auf der Erde künstlich herzustellen
und damit zu experimentieren. Dabei benutzte er alltägliche Gegenstände,
die Ihm zur Verfügung standen. Die Familie GUERICKE hatte das Braurecht,
Bierfässer waren also vorhanden. So versuchte er als erstes, in einem
wassergefüllten, abgedichteten Fass durch Herauspumpen des Wassers
einen "von jedem Körper leeren Raum"
zu erzeugen (Bild 2). Der Versuch misslang, weil deutlich hörbar
Luft durch dass Holz des Fasses einströmte.
Ebenso schlug ein zweites Experiment mit einer Kupferkugel fehl. Das Kupfer
war zu dünn, es wurde wie Papier zusammengedrückt. Erst als
GUERICKE die Wand der Kugel wesentlich verstärkte, gelang der Versuch.
GUERICKE selbst beschrieb einen der Versuche folgendermaßen:
"Die Luft wurde ... vollständig entfernt,
was ich daraus schloß, daß keine Luft mehrt aus dem oberen
Pumpenventil entwich. als ich nunmehr den Hahn B öffnete, drang die
äußere Luft mit einer solchen Gewalt ein, daß beinahe
ein Mann, der nicht weit entfernt war, auf die Kugel geschleudert wurde."
In den folgenden Jahren hat er dann Pumpen
entwickelt, mit denen man die Luft direkt, ohne erst Wasser einzufüllen,
herauspumpen konnte. GUERICKE gelang es, die erste echte Luftpumpe
zu bauen. GUERICKES Pumpenprinzip blieb über mehr als 200 Jahre fast
unverändert, ehe eine Weiterentwicklung durch die Konstruktion von
Vakuumpumpen erfolgte.
Zwei Ergebnisse waren für GUERICKE völlig unerwartet. Das erste
überraschende Ergebnis war die Existenz des Luftdruckes
der Atmosphäre, auf den ja schon das Eindringen der Luft in das Holzfass
und das Zusammendrücken der ersten Kupferkugel hinwiesen hatten.
Er hat den Luftdruck dann näher untersucht. Ein Barometer
an seinem Haus, mit der er einen Sturm für Magdeburg vorhersagte,
war eine seiner Erfindungen.
Dazu schrieb OTTO VON GUERICKE:
Ich habe mit Bestimmtheit, als im vergangenen Jahre
jener ungeheure Sturm stattfand, auf Grund des soeben erwähnten Versuches
eine besondere, außerordentliche Veränderung der Luft wahrgenommen.
Diese war so leicht im Vergleich zu sonst geworden, daß der Finger
des Männchens sogar unter den äußersten an der Glasröhre
angebrachten Punkt herabstieg. Als ich dies sah, teilte ich den Umstehenden
mit, es sei ohne Zweifel irgendwo ein großes Unwetter ausgebrochen,
und kaum waren zwei Stunden verflossen, als jener Orkan auch in unsere
Gegend einbrach, wenn er auch nicht so heftig auftrat als auf dem Meere.
(Aus: O. v. GUERICKE: Experimenta nova Magdeburgica de Vacuo Spatio. 1672)
Das zweite überraschende Ergebnis war die enorme Stärke der
durch den Luftdruck bewirkten Kräfte. So stellte er fest, dass zur
Bedienung der Pumpe drei "vierschrötige"
Männer erforderlich waren. Ließ er zur Vakuumprobe in das leergepumpte
Fass Wasser einströmen, dann geschah das mit großem Ungestüm,
wobei mehrfach Röhren zerbrachen.
Vor allem die Vorführung seiner Magdeburger
Halbkugeln auf dem Reichstag in Regensburg 1654 (Bild 3) erregte großes
Aufsehen. Acht auf jeder Seite vorgespannte Pferde konnten sie nur mit Mühe
trennen. Als Ratsherr konnte er in Regensburg die erhofften Freiheiten für
die Stadt Magdeburg nicht durchsetzen, als Physiker hatte er in Regensburg
seinen größten wissenschaftlichen Triumph.
In Regensburg erfuhr GUERICKE auch von den Erkenntnissen des italienischen
Physikers EVANGELISTA TORRICELLI (1608-1647) und des Franzosen BLAISE PASCAL(1623-1662)
über den Luftdruck. Wissenschaftliche Ergebnisse aus anderen Ländern
fanden damals in Deutschland nur sehr schwer Verbreitung.
GUERICKE ersann noch viele weitere Versuche, um die Stärke des Luftdruckes und der Elastizität der Luft zu demonstrieren. Unter anderem konstruierte er auch ein "Luftgewehr", das die Saugwirkung des Vakuums ausnutzte. Viele dieser Versuche sind in seinem 1672 erschienenen Werk "Experimenta nova" dargestellt. GUERICKE war einer der ersten deutschen Forscher, die experimentell auf naturwissenschaftlichem Gebiet tätig waren.