



Polarisation
durch Reflexion
Genauere Untersuchungen ergeben, dass vollständige
Polarisation durch Reflexion nur unter bestimmten Bedingungen auftritt
(Bild 2): Das reflektierte Licht ist dann linear polarisiert, wenn der
Winkel zwischen reflektiertem in gebrochenem Strahl gerade 90° beträgt.
Der elektrische Feldvektor des reflektierten polarisierten Lichtes schwingt
dann senkrecht zur Einfallsebene (Zeichenebene). In der Skizze ist das
durch Punkte markiert. Auch das Licht, das in den anderen Stoff übertritt,
ist linear polarisiert, wobei dort die Schwingungsebene des elektrischen
Feldvektors in der Einfallsebene liegt. Ist die genannte Bedingung von
90° zwischen reflektiertem und gebrochenem Strahl nicht erfüllt,
so tritt teilweise Polarisation auf.
Die Bedingungen für vollständige Polarisation wurden erstmals
von dem schottischen Physiker DAVID BREWSTER (1781-1868) formuliert. Das
betreffende Gesetz wird als brewstersches
Gesetz bezeichnet.
Ausgangspunkt ist das Brechungsgesetz in der Form:
Damit besagt das brewstersche Gesetz:
Vollständige Polarisation des an einer Oberfläche reflektierten
Lichtes tritt dann auf, wenn der Tangens des Einfallswinkels gleich der
Brechzahl ist.
Den betreffenden Winkel bezeichnet man als Polarisationswinkel
oder als BREWSTER-Winkel.
Unter bestimmten Bedingungen tritt
aber auch in solchen optisch isotropen Stoffen Doppelbrechung auf. Das
ist insbesondere dann der Fall, wenn man diese Stoffe durch Zug- oder
Druckkräfte verformt und damit innere Spannungen entstehen, die zu
einer unterschiedlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes in den
verschiedenen Richtungen und damit zu einer Doppelbrechung führen.
Diese Art der Doppelbrechung wird als Spannungsdoppelbrechung
bezeichnet. Bringt man die betreffenden Stoffe zwischen gekreuzte Polarisationsfolien
und beleuchtet sie dabei mit weißem Licht, so ergeben sich durch
Interferenz vielfältige Farben, die von der Stärke der Verformung
abhängen. Bild 4 zeigt eine solche Doppelbrechung am Beispiel eines
Kranhakens und eines Balkens, der an unterschiedlichen Stellen belastet
beziehungsweise unterstützt wird. In der Technik wird die Spannungsdoppelbrechung
dazu genutzt, um an Modellen von Haken, Brücken oder Trägern
die Spannungen zu untersuchen, die bei den betreffenden Teile auftreten.
Polarisation
unter dem Einfluss elektrischer Felder
Doppelbrechung tritt auch bei einigen optisch isotropen Stoffen dann auf,
wenn sie einem elektrischen Feld ausgesetzt sind. Ein solcher Stoff ist
Nitrobenzol. Schickt man linear polarisiertes Licht zwischen den Platten
eines geladenen Kondensators hindurch, zwischen denen sich Nitrobenzol
befindet (Bild 5), so wird dieser Stoff unter dem Einfluss des elektrischen
Feldes dopelbrechend. Es entstehen zwei Komponenten, von denen eine parallel
und die andere senkrecht zum elektrischen Feld polarisiert ist. Da beide
Komponenten unterschiedliche Ausbreitungsgeschwindigkeiten haben, ist
das Licht nach dem Austritt aus diesem Bereich elliptisch polarisiert.
Dieser Effekt wird nach dem schottischen Physiker JOHN KERR (1824-1907)
als KERR-Effekt bezeichnet.
Eine Anordnung, wie sie in Bild 5 dargestellt ist, nennt man KERR-Zelle.
Sind Polarisator und Analysator - beides sind Polarisationsfilter - gekreuzt,
so tritt kein Licht hindurch, wenn an der KERR-Zelle keine Spannung liegt.
Wird aber an die KERR-Zelle eine Spannung angelegt, so tritt aufgrund
der Doppelbrechung Licht durch den Analysator hindurch. KERR-Zellen eignen
sich zur praktisch trägheitslosen elektrischen Helligkeitssteuerung
eines Lichtbündels bei Frequenzen von bis zu etwa
KERR-Zellen nutzt man deshalb zur Untersuchung schnell veränderlichen
Vorgänge, etwa zur Messung der Lichtgeschwindigkeit, zur Bestimmung
der Abklingdauer leuchtender Atome oder lumineszierender Substanzen.
Polarisation
durch Polarisationsfilter oder Polarisationsfolien
In der Technik verwendet man heute zur Erzeugung von polarisiertem Licht
und auch für die verschiedenen Anwendungen Polarisationsfilter
oder Polarisationsfolie.
Dabei wird genutzt, dass in den betreffenden Materialien Kohlenstoffketten
ähnlich wie Gitterstäbe bei Mikrowellen linienförmig und
parallel zueinander angeordnet sind. Diese Kohlenstoffketten bewirken
eine lineare Polarisierung des Lichtes. Statt Kohlenstoff verwendet man
auch Kunststoffolien mit parallel zueinander angeordneten nadelförmigen
Herapathit-Kristallen (schwefelsaures Iodchinin).