






Radioaktive Strahlung entsteht beim Umwandeln von instabilen Atomkernen (Radionukliden). Dabei wird zwischen Alphastrahlung, Betastrahlung und Gammastrahlung unterschieden.
Alphastrahlung
Alphastrahlung ist eine
Teilchenstrahlung.
Es handelt sich bei Alphateilchen
um doppelt
positiv geladene Heliumkerne.
Bild 1 zeigt eine solche Kernumwandlung. Die Reaktionsgleichung lautet:

Bei Abgabe von Alphastrahlung verringert sich die Massenzahl um 4 und
die Kernladungszahl (Ordnungszahl) um 2.
Betastrahlung
Betastrahlung ist ebenfalls
eine Teilchenstrahlung. Es handelt sich dabei um Elektronen
oder um Positronen.
Bild 2 zeigt eine Kernumwandlung, bei der Elektronen frei werden.
Die Reaktionsgleichung lautet:

Bei Abgabe eines Elektrons bleibt die Massenzahl gleich. Die Kernladungszahl (Ordnungszahl) vergrößert sich um 1. Bei solchen Kernumwandlungen ist zu beachten, dass dieses frei werdende Elektron nicht aus der Atomhülle stammt. Es entsteht vielmehr dadurch, dass sich im Atomkern ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt:

Die Betastrahlung, bei der Elektronen abgegeben werden, bezeichnet man
auch als Elektronenstrahlung
oder als
.
Bei Kernumwandlungen können auch Positronen abgegeben werden. Das sind ebenfalls Teilchen, die aber im Unterschied zu Elektronen keine negative Ladung, sondern eine gleich große positive Ladung besitzen. Bild 3 zeigt ein Beispiel für eine solche Kernumwandlung. Die Reaktionsgleichung lautet:

Bei Abgabe eines Positrons bleibt die Massenzahl gleich. Die Kernladungszahl (Ordnungszahl) verkleinert sich um 1. Ein Positron entsteht, wenn sich im Kern ein Proton in ein Neutron und ein Positron umwandelt:
Die Betastrahlung, bei der Positronen abgegeben werden, wird auch als
Positronenstrahlung
oder als
bezeichnet.
Gammastrahlung
Gammastrahlung ist eine
elektromagnetische
Strahlung kurzer Wellenlänge. Die Wellenlänge ist kleiner
als
, die
Frequenz größer als
.
Damit liegt diese Strahlung am kurzwelligen Ende des Spektrums elektromagnetischer
Wellen.
Bild 4 zeigt ein Beispiel für eine Kernumwandlung mit Gammastrahlung.
Die Reaktionsgleichung lautet:

Im Unterschied zu Alpha- und Betastrahlung verändert sich die Zusammensetzung
des Atomkerns bei Gammastrahlung nicht. Der Kern gelangt aber von einem
energiereicheren (angeregten) Zustand in einen energetisch niedrigeren
und damit meist auch stabileren Zustand. Das ist vergleichbar mit der
Aussendung von Licht, wo sich ebenfalls der energetische Zustand von Atomen,
nicht aber ihre Zusammensetzung ändert. Die Vorgänge vollziehen
sich bei Licht allerdings nicht im Atomkern, sondern in der Atomhülle.
Radioaktive Strahlung hat eine Reihe von Eigenschaften, die für ihre Wirkungen, ihren Nachweis und ihre Anwendungen von Bedeutung sind. Dabei ist zwischen Alphastrahlung, Betastrahlung und Gammastrahlung zu differenzieren.
Energie radioaktiver Strahlung
Radioaktive Strahlung besitzt Energie, wobei diese Energie von den jeweiligen
Bedingungen abhängig ist. Es gibt deshalb zwei unterschiedliche Möglichkeiten,
die Energie anzugeben:
Nachfolgend sind für die einzelnen Strahlungsarten die Energiebereiche angegeben, innerhalb derer die Energie der radioaktiven Strahlung in den meisten Fällen liegt:

Die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen besitzen eine kontinuierliche
Energieverteilung. Ihre mittlere Energie beträgt etwa
.
Infolge der Energie, die radioaktive Strahlung besitzt, können Gase
ionisiert, Filme geschwärzt oder Zellen verändert werden.
Das Ionisationsvermögen
ist bei der Alphastrahlung am größten, bei der Gammastrahlung
am kleinsten. Das Verhältnis beträgt zwischen den drei Arten
von Strahlung:

Ausbreitung radioaktiver Strahlung
Die Ausbreitung
radioaktiver Strahlung erfolgt von einer Strahlungsquelle aus geradlinig.
Eine Ablenkung von Alpha- und Betastrahlung kann durch elektrische oder
magnetische Felder erfolgen.
Im elektrischen Feld (Bild 6) wird Alphastrahlung (doppelt positiv geladene
Heliumkerne) und Betastrahlung (Elektronen oder Positronen) abgelenkt.
Die Richtung der Ablenkung ergibt
sich aus der Richtung des Feldes und aus der Ladung der Teilchen. Die
Teilchen bewegen sich auf parabelförmigen Bahnen. Gammastrahlung
als elektromagnetische Welle wird durch elektrische Felder nicht abgelenkt.
Im magnetischen Feld (Bild 7) wird Alphastrahlung (doppelt positiv geladene
Heliumkerne) und Betastrahlung (Elektronen oder Positronen) abgelenkt.
Die Richtung der Ablenkung ergibt sich aus der Rechte-Hand-Regel (UVW-Regel).
Die Teilchen bewegen sich auf kreisförmigen Bahnen. Gammastrahlung
als elektromagnetische Welle wird durch magnetische Felder nicht abgelenkt.
Durchdringungsvermögen und Absorptionsvermögen
radioaktiver Strahlung
Trifft radioaktive Strahlung auf Stoffe, so wird sie z. T. hindurchgelassen
und z. T. absorbiert (aufgenommen). Wie viel Strahlung durch einen Stoff
hindurchgeht bzw. von ihm absorbiert wird, hängt ab von
Das Durchdringungsvermögen ist für Alphastrahlung am kleinsten und für Gammastrahlung am größten. Das Verhältnis beträgt zwischen den drei Arten von Strahlung:

Umgekehrt ist das Absorptionsvermögen
für Alphastrahlung am größten und für Gammastrahlung
am kleinsten (Bild 8). In Luft beträgt die Reichweite von Alphastrahlung
4 cm - 6 cm, die von Betastrahlung mehrere Meter.
Besonders geeignet zur Abschirmung
radioaktiver Strahlung ist Blei.
Radionuklide dürfen wegen möglicher
Strahlenbelastungen nur in speziellen Behältern transportiert werden.
Diese sind so aufgebaut, dass ein Großteil der Strahlung absorbiert
wird.
Bei Kernreaktoren existieren mehrere Schutzbarrieren, die ein Austreten von radioaktiver Strahlung und auch von radioaktiven Stoffen unter allen Umständen verhindern sollen: