

Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft sind damit eindeutig
festgelegt. In der grafischen Darstellung liegt die Vergangenheit unterhalb
der x-Achse, die Gegenwart auf der x-Achse und die Zukunft oberhalb der
x-Achse (Bild 2). Ein Ereignis, das an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten
Zeit stattgefunden hat, ergibt einen Punkt im Diagramm. Ereignisse am
gleichen Ort, die kausal miteinander verbunden sind, d.h., bei denen Ereignis
A die Ursache für Ereignis B ist, liegen übereinander auf einer
Geraden parallel zur Zeit-Achse (Bild 2).
Raum und Zeit in der speziellen Relativitätstheorie
In seiner speziellen Relativitätstheorie hat ALBERT EINSTEIN 1905
völlig neue Vorstellungen über Raum und Zeit entwickelt, die
mit den klassischen Vorstellungen nicht vereinbar sind. Sie lassen sich
zusammenfassend folgendermaßen charakterisieren:
- Es gibt weder einen absoluten Raum noch eine absolute Zeit.
- Raum und Zeit existieren nicht unabhängig voneinander, sondern
sind stets miteinander verbunden.
- Raum und Zeit sind relativ, also abhängig von dem Inertialsystem,
in dem man sich jeweils befindet. Dabei sind alle Inertialsysteme gleichberechtigt.
Der Mathematiker HERMANN MINKOWSKI (1864-1909), der nicht nur einer der Lehrer von ALBERT EINSTEIN war, sondern auch entscheidend zur mathematischen Ausgestaltung der speziellen Relativitätstheorie beigetragen hat, formulierte am 21. September 1908 in einem Vortrag auf der 80. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Köln:
"Die Anschauungen über Raum und Zeit, die ich Ihnen entwickeln möchte, sind auf experimentell-physikalischen Boden erwachsen. Darin liegt ihre Stärke. Ihre Tendenz ist eine radikale. Von Stund an sollen Raum für sich und Zeit für sich völlig zu Schatten herabsinken, und nur eine Art Union von beiden soll Selbständigkeit bewahren."
Zur Veranschaulichung entwickelte MINKOWSKI Raum-Zeit-Diagramme, Nähere Erläuterungen dazu sind unter dem Stichwort "MINKOWSKI-Diagramme" zu finden.
Der englische Astrophysiker JAMES HOPWOOD JEANS (1877-1946) äußerte:
"Wenn wir unsere subjektive menschliche Brille abnehmen, werden wir gewahr, daß ein Ereignis nicht mehr in einem Raumpunkt und einem Zeitpunkt geschieht, sondern in einem Punkt des Kontinuums existiert, der Zeit und Raum des Geschehens zusammenfaßt; und wir entdecken so, daß die primären Elemente der Natur nicht Dinge sind, die in Raum und Zeit existieren, sondern Ereignisse im Raum-Zeit-Kontinuum. Ein Ereignis, das durch seine Dauer in der Zeit gekennzeichnet war, kann jetzt als eine stetige Folge von Ereignissen angesehen werden, wobei jedes Ereignis das Dasein des Gegenstandes in einem Zeitaugenblick und einem Raumpunkt bedeutet".
Die Einteilung von Ereignissen in vergangene, gegenwärtige und zukünftige
kann mithilfe eines Raum-Zeit-Diagramms
(MINKOWSKI-Diagramms) erfolgen: Aus relativistischer Sicht liegen alle
Ereignisse innerhalb oder auf einem Kegel, der durch Lichtsignale gebildet
wird. Man bezeichnet ihn auch als Ereigniskegel.
Dabei gilt:
- Die Mantelfläche charakterisiert die Weltlinien
von Objekten, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen.
- Aus dem Kausalitätsprinzip
(eine bestimmte Ursache ruft eine bestimmte Wirkung hervor) ergibt sich,
dass nur Ereignisse, die im Vergangenheitskegel liegen, Ursache für
ein Ereignis in der Gegenwart sein können.
- Ursache für ein künftiges Ereignis kann nur ein gegenwärtiges
Ereignis sein, wobei sich das künftige Ereignis im Zukunftskegel
abspielt.
Die Lichtgeschwindigkeit
begrenzt somit die Raum-Zeit-Bereiche, in denen Ereignisse ablaufen können.
Wäre es möglich, Signale mit einer größeren Geschwindigkeit
als der Vakuumlichtgeschwindigkeit auszusenden, so könnten wir Informationen
aus der Zukunft erhalten oder Informationen in die Vergangenheit senden.
Beides widerspricht jeglicher Erfahrung.