
Reale Gase
Gase bestehen wie alle Stoffe aus
Atomen und Molekülen. Diese Elementarteilchen nehmen einen bestimmten
Raum ein. Zwischen ihnen wirken Kräfte. Auf solche Gase ist ein einfaches
Teilchenmodell anwendbar
(Bild 1), wie man es z.B. auch zur Deutung der verschiedenen Aggregatzustände
anwendet und das folgendermaßen charakterisiert werden kann:
Die tatsächlich in Natur und Technik existierenden Gase, z.B. Wasserstoff, Stickstoff oder Kohlenstoffdioxid, werden in der Physik als reale Gase bezeichnet. Eine exakte Beschreibung solcher Gase ist recht kompliziert, weil man z.B. bei der Betrachtung des Volumens das Eigenvolumen der Gasmoleküle berücksichtigen müsste, das bei den verschiedenen Gasen auch noch unterschiedlich ist. Wie in vielen Bereichen der Physik hat man sich deshalb ein Modell geschaffen, das es ermöglicht, Zusammenhänge einfacher und trotzdem eindeutig zu beschreiben.
Das Modell ideales Gas
Wie jedes Modell ist auch das Modell ideales Gas eine Vereinfachung der
Wirklichkeit. Es lässt sich folgendermaßen charakterisieren:
Veranschaulich kann man sich das Modell ideales Gas durch sehr kleine,
hochelastische Kugeln, die sich in einem abgeschlossenen Raum befinden.
Solche realen Gase wie Wasserstoff und Helium verhalten sich annähernd
wie das ideale Gas. Das gilt auch für andere Gase (Luft, Sauerstoff,
Stickstoff usw.) bei höherer Temperatur und geringem Druck. Damit
gilt auch:
Gesetze, die für das ideale Gas formuliert werden, gelten näherungsweise
auch für reale Gase. Ob diese Näherung hinreichend genau ist,
hängt von den gegeben Bedingungen ab und muss im Einzelfall abgeschätzt
werden.
Hinweis: In der Literatur wird mitunter von realen und idealen Gasen geschrieben. Das ist insofern ungünstig formuliert, weil es nur das eindeutig festgelegte Modell ideales Gas gibt. Die idealen Gase existieren nicht, wohl aber reale Gase, die sich annähernd wie das ideale Gas verhalten und mit diesem Modell hinreichend genau beschrieben werden können.
Zustandsgleichungen für reale
Gase und das ideale Gas
Der Unterschied zwischen den tatsächlich existierenden realen Gasen
und dem Modell ideales Gas wird deutlich, wenn man sich die Struktur der
Zustandsgleichungen ansieht.
Die Zustandsgleichung für das ideale
Gas, auch Grundgleichung der kinetischen
Gastheorie genannt, lautet:

Für reale Gase hat der niederländische Physiker JOHANNES DIDERIK VAN DER WAALS (1837-1923) eine analoge Gleichung aufgestellt, die als van der waalssche Zustandsgleichung bezeichnet wird und die folgende Struktur hat:

Die Größen a und b
sind stoffspezifische Konstanten, die als van der waalssche Kostanten
bezeichnet werden und deren Werte man in Tabellenwerken nachschlagen kann.
Einige Werte sind in Bild 2 angegeben.
Vergleicht man beide Zustandsgleichungen, dann wird deutlich:
- Durch den Term
wird das Eigenvolumen der Moleküle erfasst, das beim idealen Gas
vernachlässigt wird.
- Durch den Term
wird der sogenannte Binnendruck
in einem realen Gas erfasst, der zum Außendruck hinzukommt und der
durch die anziehenden Kräfte zwischen das Gasmolekülen zustandekommt.
Auch er wird beim idealen Gas vernachlässigt.