

Wie kann man Gleichzeitigkeit definieren?
Ob zwei räumlich getrennte Ereignisse gleichzeitig
erfolgen oder nicht, ist davon abhängig, wie man den Begriff der
Gleichzeitigkeit definiert.
ALBERT EINSTEIN (1879-1955)
hat dazu in seiner speziellen Relativitätstheorie nicht nur eine
klare Definition, sondern zugleich auch ein Messverfahren angegeben.
Als Beispiel betrachten wir ein Inertialsystem S und zwei verschiedene
Orte A und B, in dem Ereignisse vor sich gehen (Bild 2). Ein solches Ereignis
kann z.B. der Start einer Uhr, das Auslösen eines Steuermechanismus,
das Aussenden eines Signals oder eine Explosion sein. Im Punkt C des gleichen
Inertialsystems soll sich ein Beobachter befinden. Wann registriert er
die Ereignisse, die in A und B stattfinden, als gleichzeitig?
Ausgangspunkt für die Definition der Gleichzeitigkeit ist die Konstanz
der Vakuumlichtgeschwindigkeit. Nimmt man an, dass von A und B Lichtsignale
ausgehen, dann legen diese Lichtsignale wegen der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit
in der gleichen Zeit den gleichen Weg zurück. Deshalb definiert man:
Zwei Ereignisse an voneinander getrennten Orten erfolgen in einem Inertialsystem dann gleichzeitig, wenn das zur Zeit der Ereignisse ausgesendete Lichtsignal sich in der Mitte ihrer Verbindungslinie trifft.
Diese Definition der Gleichzeitigkeit wird auch genutzt,
um Uhren synchronisieren. Zwei Uhren werden dann gestartet, wenn Lichtsignale
dort eintreffen, die zum gleich Zeitpunkt von der Mitte zwischen den beiden
Uhren ausgegangen sind. Beide Uhren laufen dann synchron. Man bezeichnet
diese Art der Synchronisation als EINSTEIN-Synchronisation.
Weiter Erläuterungen dazu sind unter dem Stichwort "Lichtuhren"
zu finden.
Praktisch realisiert wird heute die Synchronisation
von Atomuhren in folgender Weise: Eine Atomuhr, die synchronisiert
werden soll, erhält von einer anderen Atomuhr ein Funksignal, dass
beim Eintreffen sofort zurückgesendet wird. Aus der Konstanz der
Lichtgeschwindigkeit ergibt sich der genaue Zeitpunkt des Eintreffens
aus der halben Gesamtlaufzeit. Auf diese Weise können Atomuhren bis
auf eine Genauigkeit von einer Nanosekunde synchronisiert werden.
Werden Signale über Kabel weitergeleitet, so muss die Laufzeit von
Signalen in dem betreffenden Medium (Lichtleiter, Kupferkabel) berücksichtigt
werden.
Gleichzeitigkeit
ist relativ
Die obige Betrachtung bezog sich auf ein Inertialsystem S. Betrachtet
man dieselben Ereignisse von einem anderen Inertialsystem S' aus, das
sich gegenüber dem System S bewegt, dann erfolgen die Ereignisse
in A und B nicht gleichzeitig.
Das wird am Beispiel des folgenden Gedankenexperimentes
deutlich, das auf ALBERT EINSTEIN zurückgeht: Wir betrachten die
Bewegung eines sehr langen Zuges. Mit diesem Zug ist das System S' verbunden,
bewegt sich also mit dem Zug mit (Bild 3). Der Zug bewegt sich längs
eines geraden Bahndammes. Mit diesem Bahndamm ist das System S verbunden.
Wir haben damit zwei Systeme, wobei wir annehmen, dass das System S ruht
und sich S' mit der Geschwindigkeit v nach
rechts bewegt. Dargestellt ist in Bild 3 der Sachverhalt aus Sicht eines
Beobachters in S. Von den Punkten A und B bzw. A' und B', die zum Zeitpunkt
t = 0 zusammenfallen,
gehen zum gleichen Zeitpunkt Lichtsignale aus. Ihre Bewegung ist in den
Skizzen in drei Phasen dargestellt.
Für einen Beobachter, der sich im System S am Punkt M befindet, ergibt sich:
Dieser Sachverhalt wird Relativität der Gleichzeitigkeit genannt und kann zusammenfassend folgendermaßen formuliert werden:
Zwei Ereignisse, die in einem Inertialsystem S an verschiedenen Orten gleichzeitig stattfinden, erfolgen in einem dazu bewegten Inertialsystem S' nicht gleichzeitig.
Relativität
der Gleichzeitigkeit, betrachtet mithilfe der LORENTZ-Transformation
Wir gehen von dem in Bild 2 dargestellten Sachverhalt aus: Zwei Ereignisse,
z.B. das Aussenden von Lichtsignalen, finden im System S in den Punkten
A und B mit den Koordinaten
gleichzeitig
statt. Das bedeutet für einen Beobachter in M, dass gilt:

Mithilfe der LORENTZ-Transformation können die Werte für einen Beobachter im System S' bestimmt werden:

Schlussfolgerung: Beide Ereignisse, die im System S gleichzeitig vor sich gehen, sind für einen Beobachter in S' nicht gleichzeitig.