
In England war
die Zeit um 1800 geprägt durch den massenhaften Einsatz von Dampfmaschinen
in Industrie und Bergbau. Häufig auftretende Explosionen der Dampfkessel
konnte die Verbreitung der Dampfmaschine als Antriebsmittel nicht aufhalten.
Neben der Erhöhung der Sicherheit wurde die Weiterentwicklung der Maschinen
von dem Bestreben bestimmt, den Wirkungsgrad der Maschinen zu erhöhen.
Es war die Zeit der Ingenieure, die im Wesentlichen auf empirischer Grundlage
(die theoretischen Grundlagen waren noch nicht bekannt) geniale technische
Leistungen vollbrachten.
Die physikalischen Grundlagen zur Erklärung der thermodynamischen Zusammenhänge
bei der Umwandlung von Wärme in mechanische Arbeit wurden erst 1824
durch die Veröffentlichung des Franzosen SADI CARNOT gelegt. Und auch
dann dauerte es noch weitere 20 Jahre, bis durch die Arbeiten von JULIUS
ROBERT MAYER 1842, JAMES PRESCOTT JOULE 1843, HERMANN HELMHOLTZ 1847 und
RUDOLF CLAUSIUS 1850 die Fundamente der Thermodynamik
aufgebaut waren.
Die Praxis, war in dieser Zeit der Theorie weit voraus. Der von ROBERT STIRLING gebaute Heißluftmotor ist ein markantes Beispiel dafür. Konnte doch selbst der berühmte MICHAEL FARADAY damals nicht erklären, warum die Maschinen funktionierten. Zu früh kam die Idee vom STIRLING-Motor aber auch für die Technik. Es fehlten geeignete Materialien (genügend druck- und temperaturbeständig) zur Herstellung der Zylinder. Wegen der großen Temperaturdifferenzen mussten die Zylinder nach mehrmonatigem Gebrauch ausgetauscht werden. Der hohe Verschleiß und die Größe der Maschinen verhinderten den ganz großen Erfolg der STIRLING-Motoren. Der Siegeszug der Explosions- und Elektromotore tat ein Übriges. Vergessen aber wurde das Prinzip nie. Immer wieder gab und gibt es Verbesserungen und Versuche, den STIRLING-Motor praxiswirksam zu machen.
Leben und Wirken
ROBERT STIRLING wurde am 25. Oktober 1790 in Cloag/Schottland geboren.
Sein technisches Interesse wurde früh durch die Familie geprägt.
Bereits sein Großvater entwickelte Maschinen für die Landwirtschaft.
Auch sein Bruder JAMES wurde ein bekannter Ingenieur, der an der Weiterentwicklung
der STIRLING-Maschinen großen Anteil hatte. Vier Söhne von
ROBERT STIRLING wurden später ebenfalls Ingenieure.
Über die Schulzeit ROBERT Stirlings ist wenig bekannt. Vermutlich
studierte er von 1805 bis 1808 an der Universität Edingburgh. 1809
begann er ein Studium der Theologie und Rechtswissenschaft an der Universität
Glasgow. Nach erfolgreichem Examen wurde er 1816 von der schottischen
Kirche zum Priester geweiht. Im gleichem Jahr, am 16. November 1816 erhielt
er in sein erstes Patent für eine Heißluftmaschine.
Ab 1837 war er Minister der Presbyterianischen Kirche in Galston. Dort
verstarb er am 6. Juni 1878 im Alter von 88 Jahren als "Father of
the Church of Scottland".
Wissenschaftliche Leistungen
Das Patent Nr. 4081 mit dem Titel " Entwicklung zur Einsparung des
Energieverbrauchs, speziell für den Antrieb von Bewegungs-Maschinen
nach einem völlig neuen Prinzip" erhielt der schottische Reverend
ROBERT STIRLING am 16. November 1816. Mit ihm beginnt eine bis in die
Gegenwart reichende Entwicklung von Motoren, die heute nach dem ursprünglichen
Arbeitsmittel als Heißluftmotore
oder nach ihrem Erfinder als STIRLING-Motore
bezeichnet werden.
Zwei Jahre nach Erteilung des Patents stellte ROBERT STIRLING den ersten funktionieren Heißluftmotor fertig. Der Zylinder hatte eine Höhe von 3 m und einen Durchmesser von 0,6 m. Die Maschine wurde zum Antrieb einer Pumpe eingesetzt und leistete ca. 2 PS (1,5 kW). Fast zwei Jahre lang arbeitete die Maschine, bis der Zylinder durchbrannte. Durch die hohen Temperaturdifferenzen zunderte das Material schnell ab und brannte schließlich durch. Das war ein entscheidender Nachteil aller im 19. Jahrhundert gebauten Heißluftmotoren.
Im Gegensatz zu anderen Wärmekraftmaschinen arbeiteten die STIRLING-Motoren
mit einem geschlossenen Kreislauf, d.h. die zum Antrieb verwendete Luft
war stets dieselbe. Der Bruder JAMES kam 1824 auf die Idee, den Wirkungsgrad
der Maschine durch Erhöhung des Innendrucks zu steigern. Zwischen
1824 und 1840 entwickelten die Brüder STIRLING mehrere Heißluftmaschinen,
die einen höheren Wirkungsgrad hatten als die damaligen Dampfmaschinen.
Am bekanntesten ist die aufladbare, doppelwirkende Stirling-Maschine mit
einem Innendruck von ca. 16 bar und einer Leistung von bis zu 37 PS. Aber
auch sie geriet bald in Vergessenheit, da die Materialprobleme nicht beseitigt
werden konnten.
Das große Interesse, das Stirling-Motoren bis heute entgegengebracht
wird, beruht vor allem darauf, dass der Antrieb durch eine äußere
Verbrennung erfolgt und damit beliebige Brennstoffe und auch regenerative
Energien, z. B. die Energie der Sonne, zum Antrieb genutzt werden können.