
1982
wurde erstmals die bis dahin den Militärs vorbehaltene Satellitennavigation
der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Inzwischen gibt es eine Reihe
von Systemen, die für die zivile Nutzung entwickelt wurden.
Mithilfe des Global Positioning
System (GPS),
eines spezielle Satellitennavigationssystems, lassen sich rund um die Uhr
an jedem Punkt der Welt und bei jedem Wetter Angaben über eine genaue
dreidimensionale Position (Länge, Breite, Höhe) sowie Geschwindigkeit
und Zeit machen.
Geschichte und
Entwicklung
Entwickelt und aufgebaut wurde das Global
Positioning System (GPS) vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium,
das es 1973 als Navigationshilfe einführte. Dazu wurden Anfang der
siebziger Jahre des 20. Jahrhundert eine Reihe von Satelliten
in den Orbit gebracht und in den darauffolgenden Jahren das System weiter
ausgebaut. Heute besteht es aus 24 Satelliten, die auf 6 unterschiedlichen
Bahnen mit je vier Satelliten verteilt sind. Die Bahnen sind so gewählt,
dass sich die Satelliten in ca. 20.000 km Höhe über der Erdoberfläche
in 12 Stunden einmal um die Erde bewegen. Bezogen auf die Äquatorebene
sind die Satellitenbahnen um 55° gegen diese Ebene geneigt und um
jeweils 60° längs des Äquators gegeneinander versetzt. Damit
können von jedem Punkt der Erdoberfläche aus ständig Daten
von mindestens vier Satelliten empfangen werden.
Hauptleitstelle für das GPS ist der Luftwaffenstützpunkt Falcon in Colorado Springs (Colorado, USA). Überwachungsstationen sind auf Hawaii, auf der Insel Ascension im Atlantik, in Diego Garcia im Indischen Ozean und auf der Insel Kwajalein im Südpazifik. Dort vorgenommene Messungen ermöglichen die Berechnung der genauen zu erwartenden Umlaufbahnen der Satelliten. Diese Vorhersagedaten, die wiederum über Satellit in die Empfangsgeräte gesendet werden, sind Voraussetzung für die Positionsbestimmung.
1982 erfolgte die Freigabe dieses ursprünglich
rein militärischen Systems für die zivile Nutzung. Aufgrund
zahlreicher Vorteile für die Navigation gewann GPS nach seiner Freigabe
für ein breites Spektrum von Anwendern an Attraktivität, zumal
es schon mit kleinen, kostengünstigen Geräten genutzt werden
kann. Zum 1. Mai 2000 wurde eine weitere, bislang militärisch genutzte
Version für die zivile Nutzung freigegeben, die eine weitere Erhöhung
der Genauigkeit ermöglichte.
Funktionsweise
des GPS
Das Prinzip
der Satellitennavigation basiert auf der Messung von Laufzeitunterschieden
der Signale, die von den Satelliten ausgesendet werden. Grundlage für
die Berechnung der Laufzeiten ist die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Nur weil diese gegeben ist, funktioniert das System. Relativbewegungen
der Satelliten untereinander und zur Erde brauchen nicht berücksichtigt
zu werden.
Zur Messung der Laufzeit sind genaue Uhren erforderlich. Die Satelliten
verfügen über mehrere Atomuhren, die entsprechenden Empfänger
auf der Erde, die man als GPS-Empfänger
bezeichnet, sind mit weniger genauen Quarzuhren ausgestattet. Von
den Satelliten werden neben der Uhrzeit eine größere Anzahl
weiterer codierter Daten mitgesendet. Alle 24 Satelliten senden diese
Daten nach jeder Millisekunde mit einer Frequenz von 1,6 GHz. Das entspricht
einer Wellenlänge von 19 cm.
Mit einem GPS-Empfänger
werden die Daten verschiedener Satelliten auf der Erde empfangen. Aus
der errechneten Entfernung des Satelliten ergibt sich um den auf der Erdoberfläche
liegenden Lotpunkt (Bild 2) ein Standkreis (im Bild 2 farbig markiert).
Alle Punkte dieses Kreises haben den gleichen Abstand vom Sender, es sind
damit auch Punkte gleichen Abstandes zwischen Satellit und Empfänger.
Aus dem Standort des Satelliten und den Schnittpunkten mit Standkreisen
weiterer Satelliten (Bild 2) wird der Standort des Empfängers ermittelt.
Dazu sind die Signale von drei Satelliten erforderlich. Das Signal des
vierten Satelliten liefert das genaue Zeitsignal, mit der der Empfänger
eine einfache Quarzuhr synchronisiert.
Bei der Positionsbestimmung müssen verschiedene
relativistische Effekte berücksichtigt werden, beispielsweise der
Einfluss der Gravitation auf den Gang von Uhren. Verrechnet sich der Empfänger
nur um eine millionstel Sekunde, so ergibt sich bei einer Ausbreitung
der Funksignale mit einer Geschwindigkeit von etwa 300.000 km/s bereits
ein Fehler von 300 m.
Das von den USA aufgebaute System ermöglicht im militärischen
Bereich Genauigkeiten bis
zu 1 m. Für den zivilen Bereich wurde diese Genauigkeit reduziert
und bewegt sich gegenwärtig im Bereich von 10 m bis 100 m. Für
spezielle Anwendungen ist die Genauigkeit inzwischen bis auf den Zentimeterbereich
vergrößert worden.
Nutzung des GPS
Für satellitengestützte
Navigation gibt es zahlreiche Anwendungen. Noch bevor sich alle Satelliten
in ihren Umlaufbahnen befanden, wurde die Satellitennavigation bereits
für die Landvermessung
eingesetzt, um tage- oder wochenlange Arbeitszeit mit Standardmessmethoden
zu sparen. Satellitennavigation wird heutzutage in Flugzeugen und Schiffen
für die Streckennavigation
und bei der Annäherung an Flugplätze bzw. Häfen genutzt.
Satellitennavigationssysteme überwachen Transporte auf dem Land,
in der Luft und auf dem Wasser sowie Notfallfahrzeuge, um eine optimale
Streckenführung zu vermitteln. Satellitennavigation steht außerdem
für Autofahrer und Wanderer zur Orts- und Routenbestimmung zur Verfügung.
Militärisch wurde und wird die Satellitennavigation in Flugzeugen, Hubschraubern, Schiffen, U-Booten, Panzern, Jeeps und in den Kampfausrüstungen der Soldaten verwendet. Zusätzlich ist die Satellitennavigation eine Navigationshilfe für die Zielortung in Raketen und wird bei sogenannten "intelligenten" Bomben zur Treffpunktbestimmung eingesetzt. Satellitennavigation befindet sich außerdem auch an Bord von Raumfähren.
Weitere Entwicklungen
In Planung ist ein globales
Navigationssystem (GNSS). Der
erste Schritt beim Aufbau eines zivilen GNSS-Dienstes ist die Inbetriebnahme
von GNSS-1 (der europäische Beitrag zu GNSS-1 ist EGNOS - European
Geostationary Navigation Overlay Service). GNSS-1 soll geostationäre
Satelliten und ein Netzwerk von Bodenstationen benutzen, um die Genauigkeit,
Verfügbarkeit, Integrität und Kontinuität der Ortung, welche
gegenwärtig durch GPS alleine angeboten wird, zu verbessern.
In Planung für den Zeitraum 2003 bis 2008 ist
das europäische System
GALILEO, das wiederum eine höhere Genauigkeit bringen soll. Die
verschiedenen Systeme sollen dann zusammenwirken. GALILEO ist eine Initiative
der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Raumfahrt-Agentur
(ESA), die die Planung, die Entwicklung,
den Aufbau und die Inbetriebnahme eines globalen Satelliten-Navigationssystems
der zweiten Generation (GNSS-2) umfasst. GALILEO wird unter ziviler Kontrolle
sein und durch öffentliche und private Gelder finanziert.