




Der konstante Faktor
ergibt sich nur aus Größen, die den Bau der Spule kennzeichnen:
N ist deren Windungszahl, A
die Spulenfläche und l die Länge
der Spule. Die relative Permeabilität
kennzeichnet die Füllung der Spule. Für Luft kann sie 1 gesetzt
werden, bei einem Eisenkern aus Dynamoblechen liegt der Wert zwischen
200 und 3000.
Der Faktor wird als Induktivität
einer Spule bezeichnet und hat das Kurzzeichen L.
Als Einheit für die Induktivität ergibt sich
.
Als Abkürzung für diese Einheit wird ein Henry (1 H) verwendet,
benannt nach dem amerikanischen Physiker JOSEPH
HENRY (1797-1878). Es gilt also:
Mit der Induktivität L
kann man für den Betrag der Selbstinduktionsspannung
formulieren:
Setzt man dI =
1 A, L = 1 H und dt =
1 s, so wird
Das bedeutet: In einer Spule der Induktivität 1 Henry wird eine Selbstinduktionsspannung
von 1 Volt hervorgerufen, wenn sich die Stärke des sie durchfließenden
Stromes während einer Sekunde um ein Ampere ändert.
Beschreibung und Analyse einiger typischer Selbstinduktionsvorgänge
Beispiel 1: Die Bewegung
eines Eisenkerns bewirkt bei einer Glühlampe eine Helligkeitsänderung
Der Stromkreis in Bild 2 besteht aus einer Niedervoltlampe, einer Spule
mit einem U-Kern und einer Spannungsquelle, deren Spannungshöhe sich
nach der eingesetzten Lampe richtet (etwa 6 V bis 15 V). Die Spannung
darf allerdings nur so hoch gewählt werden, dass die Lampe deutlich,
jedoch nicht mit maximaler Helligkeit leuchtet.
Legt man jetzt den I-Kern auf den U-Kern, so wird die Lampe kurzzeitig
dunkler, um dann mit der anfänglichen Helligkeit weiter zu leuchten.
Nimmt man nun den I-Kern wieder ab (Ankippen und seitlich herabziehen),
so leuchtet die Lampe kurzzeitig sehr hell auf, um dann wie im ersten
Fall mit der ursprünglichen Helligkeit zu leuchten.
Die beobachtbare Helligkeitsänderung ist nur mit einer Stromstärkeänderung
zu verstehen. Im ersten Fall wird für einen kurzen Zeitraum der durch
die Lampe fließende Strom schwächer, im zweiten Fall stärker.
Da die Helligkeitsänderungen nur während des Manipulierens mit
dem I-Kern auftraten, muss es sich um einen Induktionsvorgang handeln.
Die experimentellen Ergebnisse lassen sich folgendermaßen deuten:
Das Magnetfeld der Spule, die nur den U-Kern enthält streut sehr
weit in den Raum, ist im Innern der Spule relativ schwach, aber konstant.
Beim Auflegen des I-Kerns wird es auf den geschlossenen Eisenweg konzentriert,
es wird im Innern der Spule stärker. Da die Spule sich in ihrem eigenen
Magnetfeld befindet, liegt Selbstinduktion vor.
Qualitativ lassen sich die beiden Beobachtungen so begründen: Im
ersten Teilversuch wird ein stärkeres Magnetfeld aufgebaut, die dazu
erforderliche Energie wird dem Stromkreis entzogen, weshalb die Lampe
dunkler wird. Im zweiten Teilversuch wird das Magnetfeld wieder schwächer,
die in ihm gespeicherte Energie wird über einen Induktionsvorgang
wieder in elektrische Energie gewandelt, weshalb die Lampe heller leuchtet.
Durch eine quantitative Betrachtung werden die Prozesse aber weitaus deutlicher
und man kann sich von der Leistungsfähigkeit der mathematischen Beschreibung
überzeugen.
Betrachten wir dazu Bild 2: Die anliegende Spannung
U soll positiv gezählt werden. Dann ist
auch der Strom positiv zu zählen, denn der Widerstand des Stromkreises
ist in jedem Fall positiv.
Ist der U-Kern offen, gilt: . 
Wird er geschlossen so ist
und
, da
.
Dadurch wird
.
Das bedeutet: Die Selbstinduktionsspannung ist zur anliegenden Spannung
U entgegengesetzt orientiert. Da der Stromkreis
unverändert geschlossen blieb, ist auch ein Induktionsstrom entstanden
Damit wird für die Dauer des Induktionsvorgangs ein resultierender
Strom fließen, der kleiner als der ursprüngliche Strom ist.
Vor und nach dem Auflegen des I-Kerns sind zwar die magnetischen Flüsse
verschieden, aber jeweils konstant, also kann keine Spannung induziert
werden.
Nimmt man nun den Kern ab, so erhält man: 
denn der Wert des Bruches ist nun negativ. Es sind also anliegende Spannung
und Induktionsspannung gleichsinnig orientiert, also auch die beiden Ströme.
Dadurch wird kurzzeitig die resultierende Stromstärke größer,
weshalb die Lampe heller leuchtet. Wie das Experiment zeigt, kann der
Induktionsstrom zum Quellenstrom entgegengesetzt oder auch mit ihm gleichgerichtet
fließen. Betrachtet man die in diesem Vorgang mitwirkenden Magnetfelder,
so kann man zu einer wichtigen neuen Aussage kommen.
Während des ersten Teilversuchs (Auflegen des Kerns) fließen
beide Ströme entgegengesetzt. Da jeder Strom um den Leiter ein Magnetfeld
aufbaut, sind diese auch entgegengesetzt. In der Zeit, in der das Feld
infolge des Auflegens des Kerns stärker wird, baut der Induktionsstrom
ein Feld auf, welches dieses Anwachsen behindert, also eine Verzögerung
auslöst.
Während des zweiten Teilversuchs wird zwar das auslösende Feld
schwächer, da jedoch der Induktionsstrom ein zu ihm gleichsinnig
orientiertes Feld erzeugt, wird abermals die Feldänderung gebremst
oder behindert. Das wird in einem Gesetz zusammengefasst, das als lenzsches
Gesetz bezeichnet wird. Genauere Informationen dazu sind unter diesem
Stichwort zu finden.
Beispiel 2: Gleichartige
Glühlampen leuchten zu unterschiedlichen Zeiten auf
Der in Bild 3 dargestellte Versuch stellt eine nochmalige Bestätigung
der bisherigen Überlegungen dar. Über einen Schalter werden
die Lampen L1 und L2 gleichzeitig eingeschaltet. Der Vorwiderstand für
L2 dient zur Einstellung der gleichen Helligkeit für beide Lampen.
Schließt man den Schalter, leuchtet L2 sofort auf, L1 dagegen deutlich
verzögert. Bei einer Spule mit etwa 1500 Windungen und geschlossenem
massivem Eisenkern sind das 1 bis 2 Sekunden.
Wieder ist die Ursache dafür ein Induktionsvorgang. Das sich aufbauende
Magnetfeld entzieht dem Kreis solange Energie, bis sein Aufbau abgeschlossen
ist. Erst dann kann die Lampe leuchten.
Nach dem lenzschen Gesetz hemmt der Induktionsstrom über sein Magnetfeld
die Ursache für seine Entstehung. Das ist aber das durch den Quellenstrom
sich aufbauende Magnetfeld. Also hat das den Induktionsstrom begleitende
Feld die entgegengesetzte Polarität. Da beide Ströme im gleichen
Leiter fließen, müssen sie entgegengesetzte Richtungen haben.
Solange ein Induktionsstrom fließt, wird der Quellenstrom geschwächt.
Beim Öffnen des Schalters verlöschen beide Lampen gleichzeitig.
Ursache dafür ist, dass die Selbstinduktionsspannung vom Augenblick
ihrer Entstehung an über L2 einen Strom liefert, der ein Anwachsen
der Spannung verhindert.
Die an der Spule nachweisbare Selbstinduktionsspannung kann aber trotzdem
beachtliche Werte annehmen. Für eine Spule mit 1500 Windungen., 10
cm Länge, einem Querschnitt von 9 Quadratzentimetern mit einem Kernmaterial
der relativen Permeabilität 100 bekommt man eine Induktivität
von etwa 2,5 H. Bei einem Spulenwiderstand von 16 Ohm und einer Spannung
von 10 V fließt der Strom 0,625 A. Nimmt man für den Öffnungsvorgang
etwa 10 ms an, so beträgt die Selbstinduktionsspannung ca. 160 V.