
Solche kalendergebundenen Abweichungen einzelner Klimaelemente vom mittleren
Jahresgang werden in der Meteorologie als Singularitäten bezeichnet.
Die Ursache von Singularitäten
hängt mit dem Einfluss von Luftmassen
zusammen, die aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten
in unseren Raum herangeführt werden. Dadurch kann zu kalte Polarluft
oder zu warme Tropikluft unser Wetter bestimmen (Bild 2).
So stellt sich z. B. mit großer Zuverlässigkeit um Weihnachten
das sogenannte Weihnachtstauwetter
in ganz Deutschland ein. West- und Südwestwetterlagen, die mit ihren
Fronten (Zyklonen) relativ warme und feuchte Luft vom Atlantik heranführen,
lassen dann die Schneedecke, so sie sich vorher aufgebaut hatte, in kurzer
Zeit abschmelzen.
Weitere bekannte Singularitäten sind die schon erwähnten Eisheiligen
(Mitte Mai) und die Schafskälte
(Anfang Juni), die als Kälterückfälle oft mit beträchtlichen
Frostschäden in den Gartenkulturen verbunden sind.
Ordnet man die Singularitäten und die damit verbundenen Großwetterlagen nach dem mittleren Zeitpunkt ihres Eintreffens, so erhält man den Singularitätenkalender. Die darin zusammengestellten Singularitätentermine bzw. Langfristregeln geben einen Überblick über den mittleren Gang der Witterung im Laufe des Jahres. Für die Urlaubs- oder Ferienplanung ist der Kalender durchaus geeignet. Berücksichtigt werden muss jedoch, dass die Eintrittstermine der Singularitäten schwanken können. Abweichungen von 14 Tagen oder gar ein Ausbleiben sind nicht selten. Singularitäten werden deshalb auch nicht für die amtliche Wettervorhersage verwendet.
Viele Singularitäten sind in Bauernregeln
eingegangen. Die Bauernregeln stützen sich zumeist auf das in vielen
europäischen Regionen unterschiedliche Erfahrungswissen von Bauern,
Fischern oder Hirten aus der Zeit der vorinstrumentellen Wetterbeobachtung.
Sie basieren damit auch auf Erfahrungen mit den Singularitäten.
Bauernregel und Singularität sind allerdings scharf von den rein
spekulativen Wetteraussagen des hundertjährigen
Kalenders zu unterscheiden.
Singularitätenkalender für Mitteleuropa
|
Singularität
|
Mittleres
Eintrittsdatum |
Großwettertypen
(Bild 2) |
| Hochwinter 1 | 04.-06.01 | N- und NO-Lagen, Hoch über Mitteleuropa (ME) |
| Hochwinter 2 | 13.-14.01. | Hoch über ME, O-Lagen |
| Hochwinter 3 | 17.-20.01. | Hoch über ME, SO-Lagen |
| Tauwetterperiode | 22.-30.01. | W-, SW- und NW-Lagen |
| Tauwetterperiode | 03.-12.02. | W-, SW- und NW-Lagen |
| Spätwinter 1 | 14.-20.02. | W-, SW- und NW-Lagen |
| Spätwinter 2 | 27.02. | Hoch über ME, N-Lagen |
| Märzwinter 1 | 07.03. | O-Lagen |
| Märzwinter 2 | 11.-14.03. | N-Lagen, Tief über ME |
| Märzwinter 3 | 18.-20.03. | O-Lagen |
| Vorfrühling 1 | 23.-27.03. | SW- und SO-Lagen |
| Vorfrühling 2 | 03.-04.04. | SW-Lagen |
| Vormonsunwelle 1 | 07.-12.04. | N-Lagen, Tief über ME |
| Mittfrühling | 17.-22.04. | S-Lagen, Hoch über ME |
| Vormonsunwelle 2 | 24.04.-02.05. | N-, NW-, NO-Lagen; Tief über ME |
| Spätfrühling | 07.-18.05. | O-, SO-, SW-Lagen |
| Monsunwelle | 20.-31.05. | N- und NO-Lagen |
| Frühsommer | 02.-08.06. | Hoch über ME |
| Schafskälte | 10.-12.06. | N- und NW-Lagen |
| Siebenschläfer | 27.06.-01.07. | N- und NW-Lagen |
| Hochsommer 1 | 03.-14.07. | Hoch über ME; O- und NO-Lagen |
| Monsunwelle | 16.-24.07. | N- und NW-Lagen |
| Hochsommer 2 | 28.07.-07.08. | SW-Lagen |
| Hochsommer 3 | 13.-16.08. | SW-Lagen |
| Monsunwelle | 17.-24.08. | N- und NW-Lagen; Tief über ME |
| Spätsommer 1 | 29.08.-05.09. | Hoch über ME |
| Spätsommer 2 | 11.-12.09. | Hoch über ME |