




Spiegelteleskope (Bild 1) sind Beobachtungsgeräte, bei denen das Licht durch einen optischen Spiegel (Hauptspiegel) gesammelt wird. Weitere wichtige Bauteile sind ein oder mehrere Hilfsspiegel und das Okular, die in einem Tubus angeordnet sind. Die wichtigsten Typen von Spiegelteleskopen sind der NEWTON-Spiegel, der SCHMIDT-Spiegel und der CASSEGREIN-Spiegel.
NEWTON-Spiegel
Der berühmte Physiker ISAAC
NEWTON (1643-1727) baute um 1668 als Erster ein Spiegelteleskop, das
nach ihm benannt ist. Beim NEWTON-Spiegel befindet sich kurz vor dem Brennpunkt
des Hauptspiegels ein ebener Hilfsspiegel, der das Licht aus dem Fernrohrtubus
herauslenkt. Am Tubusausgang sind das Okular oder spezielle Registriergeräte
(CCD-Kamera, Spektrometer, Fotometer) angebracht.
CASSEGRAIN-Spiegel
Der CASSEGRAIN-Spiegel
besitzt einen mittig durchbohrten Hauptspiegel (Bild 3a). Das Licht wird
auf seinem Weg durch das Fernrohr zunächst am Hauptspiegel reflektiert
und gebündelt. Es trifft dann auf einen Hilfsspiegel, der es zur
Öffnung des Hauptspiegels reflektiert. Dort befindet sich das Okular
bzw. Registriergeräte.
Beim SCHMIDT-Spiegel, benannt
nach dem Optiker und Astronomen BERNHARD WOLDEMAR SCHMIDT (1879-1935),
ist der Hauptspiegel kugelförmig geschliffen (Bild 3b). Die durch
einen solchen Spiegel hervorgerufenen Abbildungsfehler werden durch eine
gläserne Korrektionsplatte ausgeglichen. Das Bild entsteht im Tubus
auf einer kugelförmigen Fläche. Dort können verschiedene
Registriergeräte angebracht werden.
Das Auflösungsvermögen
von Spiegelteleskopen
Das Auflösungsvermögen ist ein Maß für die Fähigkeit
eines Teleskops, zwei Gegenstandspunkte noch so abzubilden, dass man sie
als getrennte Punkte registrieren kann. Für das Auflösungsvermögen
gilt:

Der so berechnete Wert ist ein theoretischer Wert. Dem praktisch zu erzielenden Auflösungsvermögen sind durch die Szintillation (Luftflimmern aufgrund der thermischen Bewegung der Teilchen) Grenzen gesetzt. Man kann davon ausgehen, dass starre Spiegelkonstruktionen ein maximales Auflösungsvermögen von 0,5 Bogensekunden haben. Ein höheres Auflösungsvermögen wird nur durch eine adaptive Optik oder durch Beobachtungsgeräte außerhalb der Atmosphäre erreicht. In der nachfolgenden Übersicht ist für einige Geräte das tatsächlich erreichbare Auflösungsvermögen für Licht im mittleren Wellenlängenbereich angegeben.
|
Gerät
|
Durchmesser des Objektivs
bzw. des Spiegels |
erreichbares Auflösungsvermögen
|
| Schulfernrohr |
6,3 cm
|
2''
|
| 5-m-Spiegel |
5 m
|
0,5''
|
| HUBBLE-Weltraum- teleskop |
2,4 m
|
0,1''
|
| 8-m-Spiegel (VTL im Einzel- betrieb) |
8 m
|
0,1''
|
| VTL im gekoppelten Betrieb |
mehrere Spiegel
von 8 m und 1,8 m |
0,001''
|
Bau und Größe
des Hauptspiegels
Die meisten Spiegelteleskope, die heute in Betrieb sind, besitzen Hauptspiegel,
die aus einem Glasblock gefertigt sind. Das größte Instrument
dieser Art ist das Spiegelteleskop der ES0 in Paranal (Chile) mit einem
Spiegeldurchmesser von 8,2 m. Die Konstruktion solcher Spiegel ist aber
überaus aufwendig. Darüber hinaus kommt es leicht zu Verzerrungen
durch Temperaturschwankungen. Trotzdem sind größere Spiegeldurchmesser
erwünscht, weil sich mit größeren Spiegeln die lichtsammelnde
Fläche vergrößert und somit immer lichtschwächere
Objekte erfasst werden können.
Deshalb werden bei modernen Spiegelkonstruktionen zwei andere Wege beschritten:
Eine weitere Möglichkeit
der Leistungssteigerung besteht in der optischen Kopplung von mehreren
Spiegelteleskopen. Das wird mit dem VTL
(Very Large Telescope) der Europäischen Südsternwarte realisiert
(Bild 4). Bei dieser Anlage, deren erste Teile 1998 in Betrieb gegangen
sind und die 2002 fertiggestellt wurde, können vier unabhängig
voneinander arbeitende 8-m-Spiegel mit aktiver Lagerung so miteinander
gekoppelt werden, dass sie dann wie ein 16-m-Spiegel wirken.
Zur Geschichte
von Linsenfernrohren und Spiegelteleskopen
Das Linsenfernrohr (Refraktor)
wurde erst um das Jahr 1600 herum erfunden. Diese neue Erfindung breitete
sich rasch aus und drang bald auch zu dem damals 45-jährigen GALILEO
GALILEI (1564-1642), seines Zeichens Professor der Physik an der Universität
zu Padua. GALILEI baute das Linsenfernrohr nach (Bild 5) und verwendete
es als Erster bei astronomischen Beobachtungen an. Er entdeckte u. a.
vier Jupitermonde (galileische Monde) sowie Berge und Täler auf dem
Mond.
Die wesentlichen Leistungen eines astronomischen Fernrohres bestehen zum
einen darin, dass weit entfernte Objekte größer abgebildet
werden als bei der Betrachtung mit bloßem Auge. Zum anderen wird
das Licht durch eine größere Fläche gesammelt und das
beobachtete Objekt erscheint uns damit heller als bei Betrachtung mit
bloßem Auge.
Etwa gleichzeitig mit dem Linsenfernrohr kamen auch die ersten Spiegelteleskope auf. Bild 6 zeigt ein Spiegelteleskop von ISAAC NEWTON. Seitdem standen Linsenfernrohre und Spiegelteleskope für lange Zeit im Wettstreit miteinander. Entscheidend waren immer die jeweiligen Vor- und Nachteile. Der Hauptnachteil der Linsenfernrohre bestand in den Farbsäumen der Bilder, die als Folge von Abbildungsfehlern auftraten. Der abbildende Spiegel konnte dagegen farbfehlerfreie Bilder vorweisen, was ihn der Linse überlegen machte. Später konnten durch neue Konstruktionen (Achromate) Farbfehler bei Linsen vermieden werden. Im Unterschied zu Spiegeln war es aber bei Linsenfernrohren nicht möglich, den Durchmesser der Objektive wesentlich zu vergrößern. Das größte jemals hergestellte Fernrohrobjektiv mit 102 cm Öffnung wurde für das Yerkes-Observatorium in der USA entwickelt.
Die Spiegeldurchmesser wurden jedoch immer größer und damit konnte man in immer entferntere Bereiche des Universums vordringen. Meilensteine auf diesem Weg waren:
Beiden Instrumenten verdanken
wir bahnbrechende neue Erkenntnisse über das Universum. Das wird
auch von den neuen Geräten erwartet, die ihren Betrieb aufgenommen
haben, insbesondere vom VLT der ESO in Chile.