


In Bild 2 ist erkennbar, wie eine stehende Welle entsteht: Hinlaufende
und rücklaufende Welle überlagern sich und bilden gemeinsam
die stehende Welle. Man kann eine solche stehende Welle auch erzeugen,
wenn man ein Seil an einem Haken befestigt und das andere Ende des Seils
mit der Hand in Schwingungen versetzt. Die erforderliche Frequenz muss
man ausprobieren.
Dabei ist zu beachten, ob die Enden fest eingespannt oder lose sind. Bei
der Reflexion am festen Ende tritt ein Phasensprung auf; hin- und rücklaufende
Welle haben entgegengesetzte Phase. Bei der Reflexion tritt keine Phasenverschiebung
auf, hin- und rücklaufende Welle haben gleiche Phase.
Nutzen kann man stehende Wellen z.B. zur Bestimmung der Wellenlänge
von Schallwellen (Bild 3). Dazu wird ein beidseitig offenes Glasrohr
in Wasser getaucht und über dem Glasrohr ein Lautsprecher angebracht,
der mit einem Tonfrequenzgenerator verbunden ist. Die vom Lautsprecher
ausgehenden Schallwellen werden an der Wasseroberfläche reflektiert.
Dort befindet sich stets ein Schwingungsknoten. Beträgt die Länge
der Luftsäule gerade ein Viertel der Wellenlänge, so befindet
sich am Ende des Glasrohres ein Schwingungsbauch, erkennbar an der besonders
großen Lautstärke. Ein Schwingungsbauch tritt ebenfalls auf,
wenn die Länge der Luftsäule drei Viertel der Wellenlänge
beträgt. Damit gilt:
Kennt man die Frequenz der Schallwellen, dann kann man mithilfe der Gleichung

die Schallgeschwindigkeit berechnen.
Stehende Wellen bei Platten
Stehende Wellen bilden sich auch bei schwingenden Platten aus. Um sich
das zu veranschaulichen, wird z. B. feiner Sand gleichmäßig
auf eine Platte gestreut und diese Platte in Schwingungen bestimmter Frequenz
versetzt. Es bilden sich dann charakteristische Strukturen aus, so wie
sie in Bild 4 zu sehen sind. Der Sand sammelt sich in den Schwingungsknoten.
Diese Strukturen werden als chladnische
Klangfiguren bezeichnet, benannt nach dem deutschen Juristen und Akustiker
ERNST FLORENS FRIEDRICH CHLADNI
(1756-1827), der diese Strukturen am Beispiel von Schallwellen erstmals
genauer untersucht hat. Die Form der Figuren hängt von der Form der
Platte und von der Erregerfrequenz ab.