









Die physikalische
Größe Temperatur
Die Temperatur kennzeichnet den thermischen Zustand von Körpern oder
Systemen. Sie gibt an, wie heiß oder wie kalt ein Körper bzw.
ein System ist.
| Formelzeichen: | ![]() |
Einheit: ein Grad Celsius (1 °C) |
| T | Einheit: ein Kelvin (1 K) |
Benannt sind die Einheiten
nach dem schwedischen Naturforscher ANDERS CELSIUS
(1701-1744) und nach dem britischen Physiker LORD KELVIN
OF LARGS, wie sich WILLIAM THOMSON (1824-1907) nach der Erhebung in den
Adelsstand nennen durfte.
Temperaturdifferenzen
werden meist in der Einheit Kelvin (Kurzzeichen: K) angegeben. Es gilt
also:
|
20 °C
|
-
|
16 °C
|
= 4 K oder |
|
293 K
|
-
|
289 K
|
= 4 K |
Für die Umrechnungen von Grad Celsius in Kelvin und umgekehrt gelten die folgenden Beziehungen:

Weitere Einheiten der Temperatur
sind ein Grad Fahrenheit
(1 °F) und ein Grad Réaumur
(1 °R), benannt nach dem deutschen Physiker GABRIEL DANIEL FAHRRENHEIT
(1686-1736) bzw. nach dem französischen Naturforscher RENE ANTOINE
REAUMUR (1683-1757). Nähere Erläuterungen zu den verschiedenen
Temperaturskalen sind
in den Biografien der betreffenden Naturwissenschaftler gegeben. Bild
2 zeigt die verschiedenen Temperaturskalen im Überblick.
Ein Überblick
über Temperaturen in Natur und Technik ist in
Bild 3 gegeben. Aus dieser Übersicht ist auch erkennbar: Es gibt
eine tiefstmögliche Temperatur, die bei -273,15 °C = 0 K liegt.
Tiefere Temperaturen als diese absolute Temperatur sind physikalisch nicht
möglich. Nach oben gibt es keine solche Grenze.
Die
absolute Temperatur
Alle Stoffe bestehen aus Teilchen, die sich mehr oder weniger heftig bewegen
können. Wie heftig sich die Teilchen eines Stoffes bewegen, hängt
von der Art des Stoffes, vom Aggregatzustand und vor allem von der Temperatur
ab. Für feste, flüssige und gasförmige Körper gilt:
Je
höher die Temperatur eines Körpers ist, desto heftiger bewegen
sich die Teilchen des Stoffes, aus dem der Körper besteht. Die Temperatur
eines Körpers ist ein Maß für die mittlere kinetische
Energie seiner Teilchen. Es gilt:
Bei Verringerung der Temperatur
bewegen sich die Teilchen weniger heftig und bei sehr tiefen Temperaturen
kaum noch. Die tiefstmögliche Temperatur ist diejenige, bei der sich
die Teilchen nicht mehr bewegen. Lord KELVIN kam aus anderen thermodynamischen
Überlegungen zu dieser tiefstmöglichen Temperatur. Nach dem
Gasgesetz von GAY-LUSSAC ändert sich bei konstantem Druck das Volumen
eines Gases mit der Temperatur. Für das ideale Gas ergibt sich, dass
bei einer ständigen Verringerung der Temperatur der Schnittpunkt
der Graphen bei beliebigem Ausgangsvolumen bei -273,15 °C liegen würde
(Bild 4). Dieser Punkt wird als absoluter
Nullpunkt bezeichnet, die davon ausgehende Temperaturskala nach KELVIN
als absolute Temperatur.
Da KELVIN die Gradeinteilung der CELSIUS-Skala übernommen hat, lassen
sich beide Temperaturskalen leicht ineinander umrechnen. Es gilt:
|
0 K
|
=
|
-273,15 °C
|
|
273,15 K
|
=
|
0 °C
|
Meist wird mit dem Näherungswert
273 umgerechnet.
Messen
der Temperatur
Thermometer sind Messgeräte zur Bestimmung der Temperatur. Es gibt
eine Vielzahl von Thermometerarten
und Bauformen. Sie arbeiten nach unterschiedlichen physikalischen Prinzipien
und haben je nach Verwendungszweck unterschiedliche Messbereiche und verschiedene
Messgenauigkeiten. Am weitesten verbreitet sind heute Flüssigkeitsthermometer
(Bilder 1 und 5) und elektronische Thermometer.
Flüssigkeitsthermometer:
Zur Temperaturmessung werden häufig Flüssigkeitsthermometer
genutzt (Bilder 1 und 5). Sie bestehen aus einem Thermometergefäß,
einem dünnen Anzeigeröhrchen und einer Skala. Je nach Verwendungszweck
kann die Thermometerflüssigkeit Quecksilber oder gefärbter Alkohol
sein. Wasser ist als Thermometerflüssigkeit nicht geeignet. Zum einen
gefriert es bei 0 °C. Zum anderen ändert sich bei Wasser mit
gleichmäßiger Temperaturänderung das Volumen nicht gleichmäßig.
Unter 4 °C dehnt sich Wasser sogar wieder aus (Anomalie des Wassers).
Die Wirkungsweise eines Flüssigkeitsthermometers beruht darauf, dass
sich das Volumen einer Flüssigkeit bei Erhöhung der Temperatur
ausdehnt und bei Verringerung der Temperatur verringert. Je höher
die Temperatur ist, desto höher steht die Flüssigkeitssäule
im Anzeigeröhrchen. Die Temperatur kann man an einer Skala ablesen.
Das abgebildete Flüssigkeitsthermometer hat einen Messbereich von
-20 °C bis +50 °C. Man kann auf 1 °C genau ablesen und auf
0,5 °C schätzen.
Flüssigkeitsthermometer gibt es in zahlreichen Bauformen (Bild 1),
z.B. als Zimmerthermometer, Kühlschrankthermometer, Fieberthermometer
oder Laborthermometer.
Gasthermometer:
Sie gehören zu den historisch ersten Thermometern. Sie sind ähnlich
wie Flüssigkeitsthermometer aufgebaut (Bild 6). In einem durch einen
Quecksilbertropfen abgeschlossenen Bereich befindet sich ein Gas. Das
kann auch Luft sein. Bei Erhöhung der Temperatur dehnt sich das Gas
aus, bei Verringerung der Temperatur verringert sich sein Volumen. Die
Temperatur kann in Höhe des Quecksilbertropfens abgelesen werden.
Bimetallthermometer:
Es besteht aus einem spiralförmigen Bimetallstreifen, an dessen Ende
sich ein Zeiger befindet, und einer Skala (Bild 7). Die Biegung des Bimetallstreifens
ändert sich aufgrund der unterschiedlichen Ausdehnung der beiden
Metalle, aus denen er besteht, mit der Temperatur. Es wird also bei diesem
Thermometer der Effekt genutzt, das sich verschiedene Metalle bei gleicher
Temperaturänderung unterschiedlich ausdehnen.
Elektronisches
Thermometer: Bei der Art von Thermometern wird die starke Temperaturabhängigkeit
des elektrischen Widerstandes von speziellen Halbleitermaterialien (Heißleitern,
Kaltleitern) genutzt. Nutzt man z.B. einen Heißleiter, so gilt:
Mit Erhöhung der Temperatur verringert sich der elektrische Widerstand
des Heißleiters. Geht man von einer konstanten Spannung aus, so
vergrößert sich mit Verkleinerung des elektrischen Widerstandes
die Stromstärke. Sie ist somit ein Maß für die Temperatur.
Diese wird digital auf einem Display angezeigt. Die Vorteile solcher Thermometer
bestehen darin, dass man zum einen den Messfühler sehr klein bauen
kann und zum anderen der Messfühler sich in größerer Entfernung
vom Display befinden kann. Der Messfühler ist dann entweder durch
eine Leitung oder per Funk mit dem Display verbunden.
Verwendet man für den Messfühler statt spezieller Halbleiter
metallische Widerstände, dann spricht man von einem Widerstandsthermometer.
Die Wirkungsweise ist die gleiche wie bei einem elektronischen Thermometer.
Galileisches
Thermometer: Bei diesem Thermometer, dessen Aufbau auf GALILEO GALILEI
(1564-1642) zurückgehen soll, befinden sich Kugeln in einer Flüssigkeit
(Bild 9). Die Dichte der Flüssigkeit und die mittlere Dichte der
Kugeln liegen eng beieinander, wobei diese mittlere Dichte der Kugeln
unterschiedlich ist. An den Kugeln befinden sich kleine Schilder mit unterschiedlichen
Temperaturen.
Bei einer bestimmten Temperatur, z. B. bei 22 °C, sind die Dichten
so gewählt, dass sich ein Teil der Kugeln unten befindet, bei ihnen
also die Auftriebskraft kleiner ist als die Gewichtskraft. Das sind die
Kugeln für kleinere Temperaturen als die Umgebungstemperatur. Ein
anderer Teil der Kugeln befindet sich oben. Bei ihnen ist die Auftriebskraft
größer als die Gewichtskraft. Das sind die Kugeln für
eine höhere Temperatur als die Umgebungstemperatur.
Ändert sich die Temperatur, so ändern sich auch die Dichten,
da diese temperaturabhängig sind. Da es vom Verhältnis der Dichten
abhängig ist, ob ein Körper sinkt oder steigt, bewegen sich
Kugeln nach unten oder nach oben. Die Temperatur lässt sich an der
Kugel ablesen, die gerade noch oben schwimmt.
Thermofarben:
Es gibt auch Thermometer, bei denen genutzt wird, dass spezielle Farben,
die sogenannten Thermofarben, bei einer bestimmten Temperatur ihre Farbe
wechseln oder bei bestimmter Temperatur Licht abgeben. Das kann man für
Thermometer nutzen. Bild 10 zeigt ein solches Thermometer. Da das abgebildete
Thermometer die Größe einer Postkarte hat, wird es auch als
Postkartenthermometer
bezeichnet.
Weitere Möglichkeiten der Temperaturmessung: Neben den beschriebenen Möglichkeiten kann man die Temperatur auch folgendermaßen bestimmen:
Die
gefühlte Temperatur
Unser Wärme- bzw. Kälteempfinden ist sehr subjektiv. Was der
eine als warm empfindet, ist für den anderen möglicherweise
kalt. Auch der Einzelne kann sich leicht täuschen. Wenn wir z. B.
an einem heißen Sommertag vom Freien in den Hausflur gehen, erscheint
uns die Luft dort kühl. An einem sehr kalten Wintertag erscheint
es uns im Hausflur angenehm warm, wenn wir von draußen kommen.
Ein Geländer aus Holz erscheint uns beim Anfassen wärmer als
ein Geländer aus Metall, obwohl beide die gleiche Temperatur haben.
Die Lufttemperatur, die wir tatsächlich empfinden, nennt man gefühlte
Temperatur. Diese gefühlte Lufttemperatur ist von vielen Faktoren
abhängig, beispielsweise
Die gefühlte Temperatur ist damit von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Manchmal wird aber im Wetterbericht neben der gemessenen Temperatur auch eine gefühlte Temperatur angegeben. Diese im Wetterbericht angegebene gefühlte Temperatur bezieht sich auf einen Modell-Menschen. Der Deutsche Wetterdienst verwendet dazu das so genannte Klima-Michel-Modell. Das ist ein computersimulierter Durchschnittsmensch mit folgenden Eigenschaften:
Für einen solchen Modell-Menschen gelten folgende Festlegungen:
|
Empfindung
|
gefühlte
Temperatur
|
|
kühl
|
-26 °C
... -13 °C
|
|
leicht kühl
|
-13 °C
.... +5 °C
|
|
behaglich
|
+5 °C
.... +17 °C
|
|
leicht warm
|
+17 °C
... +26 °C
|
|
warm
|
+26 °C
... +32 °C
|
Wenn also im
Wetterbericht z. B. eine gemessene Temperatur von 7 °C und eine gefühlte
Temperatur von -10 °C verkündet wird, dann würde das der
Modellmensch als leicht kühl empfinden. Für den Einzelnen ist
das bestenfalls eine Orientierung. Der Einzelne kann eine Lufttemperatur
von 7 °C ebenso, aber auch anders empfinden.
Beachte: Das Klima-Michel-Modell des
Deutschen Wetterdienstes ist ein mögliches Modell, das subjektive
Temperaturempfinden zu charakterisieren. Es gibt weitere Modelle, die
mit anderen Vereinfachungen arbeiten und andere Skalen zugrunde legen.
Man ist deshalb gut beraten, bezüglich der Kleidung eher von seinen
Erfahrungen auszugehen als von Zahlen, die mitunter ohne Nennen des zugrunde
liegenden Modells im Wetterbericht verkündet werden.
Manchmal wird in Wetterberichten statt der gefühlten Temperatur die
WINDCHILL-Temperatur
angegeben. Diese im Zweiten Weltkrieg in der Luftwaffe der USA entwickelte
Temperaturangabe hat nichts mit dem Temperaturempfinden des Menschen zu
tun. Es ist vielmehr die Temperatur, bei der in einer bestimmten Zeit
¼ Liter Wasser in einem Plastikrohr zu Eis wird.