








Gesetze der Totalreflexion
Denjenigen Einfallswinkel, ab dem es zur Totalreflexion kommt, kann man
mithilfe des Brechungsgesetzes
berechnen. Man nennt ihn Grenzwinkel
der Totalreflexion. Im Grenzfall
beträgt der Brechungswinkel 90°. Das gebrochene Licht verläuft
in diesem Fall genau in der Grenzfläche (Bild 2, mittleres Bild).
Dann gilt:

In der Übersicht (Bild 3) sind einige Werte für den Grenzwinkel
der Totalreflexion angegeben.
Besonders einfach gestaltet sich die Totalreflexion, wenn sie beim Übergang
aus einem Stoff mit der Brechzahl n in das
Vakuum (Luft) erfolgt. Aus dem allgemeinen Brechungsgesetz ergibt sich
in diesem Fall der spezielle Zusammenhang:

Aus dieser Gleichung folgt:
Je größer die Brechzahl eines bestimmten durchsichtigen Stoffes
ist, desto kleiner ist der Grenzwinkel der Totalreflexion. In optisch
sehr dichten Medien kann Licht unter Umständen regelrecht "gefangen"
werden.
Anwendungen der Totalreflexion
Die Totalreflexion wird z.B. bei Lichtleitern
(Glasfaserkabel, Lichtleitkabel) für die Nachrichtenübertragung
und bei Prismen (Umkehrprismen,
Umlenkprismen) genutzt. Genauere Informationen dazu sind unter den betreffenden
Stichwörtern zu finden.
Aufbau und Wirkungsweise
Bei Lichtleitern wird der physikalischen Effekt der Totalreflexion
genutzt. Wir betrachten als Beispiel ein Glasfaserkabel,
das allgemein auch als Lichtleitkabel
oder als Lichtwellenleiter bezeichnet wird.
Die einzelne Glasfaser besteht aus einem Glasfaserkern
und einem Glasfasermantel
(Bild 5) mit unterschiedlichen optischen Eigenschaften. Das Material des
Mantels ist optisch dünner als das des Kerns. Damit tritt an der Grenzfläche
Kern-Mantel Totalreflexion auf, wenn der Einfallswinkel größer als der
Grenzwinkel der Totalreflexion ist. Damit bleibt das Licht im Kabel "gefangen".
Hochwertige Glasfaserkabel besitzen eine sehr große optische Dichte im
Kern. Aus diesem Grund ist bei ihnen der Grenzwinkel der Totalreflexion
auch recht klein. Da der Einfallswinkel im Kabel von der Krümmung des
Lichtleiters abhängt, darf man diese hochwertigen Lichtleiter auch stark
verbiegen, ohne dass Licht austritt, was für die bautechnische Verlegung
des Materials von großer Bedeutung ist. Knicken sollte man Lichtleiter
nicht.
Die einzelnen Glasfasern haben Durchmesser von
0,005 mm bis
0,5 mm. Glasfaserkabel bestehen aus Tausenden dieser einzelnen Glasfasern
(Bild 6). Sie werden gebündelt und mit einer Isolierschicht versehen.
Bei der Totalreflexion geht fast keine Lichtenergie verloren. Natürlich
findet aber im Lichtleiter eine ständige Umwandlung von Lichtenergie
in andere Energieformen statt. Die Lichtintensität nimmt beim Durchgang
durch das Kabel ab. Bei der lichttechnischen Nachrichtenübertragung
ist dieser Umstand von großer Bedeutung.
Relativ geringen Ansprüchen an die optische Güte müssen einfache
Lichtleiter genügen. Sie dienen lediglich dem Transport von Lichtenergie
und werden als Glasfaserleuchten, beispielsweise in Großraumbüros,
genutzt. An Glasfaserleuchten kann man eindrucksvoll beobachten, dass das
Licht sie fast ausschließlich an den Enden verlässt (siehe Bild
4).
Nutzung von Lichtleitern für
die Nachrichtenübertragung
Mithilfe von Lichtleitern kann nicht nur Licht übertragen werden.
Mithilfe von Licht ist es auch möglich, Telefongespräche, Computerdaten,
Fernsehbilder oder Rundfunkprogramme zu übertragen. Die Nachrichtenübertragung
oder Informationsübertragung
erfolgt mithilfe von Licht.
Dazu werden elektrische Signale, z.B. von Computern, Fernsehkameras oder
Mikrofonen, in Lichtschwankungen bzw. Lichtimpulse umgewandelt. Das geschieht
in elektrooptischen Wandlern. Diese
Impulse werden auf das Lichtleitkabel übertragen, wobei der Einfallswinkel
größer als der Grenzwinkel der Totalreflexion ist. Damit wird
das Licht vielfach an der Grenzfläche zwischen Kern und Mantel reflektiert
und gelangt schließlich an das andere Ende des Kabels. Bei längeren
Strecken werden in größeren Abständen Lichtverstärker
eingebaut, um die Umwandlung von Lichtenergie in andere Energieformen
auszugleichen. Das Licht gelangt anschließend in einen optoelektrischen
Wandler, in dem die Lichtimpulse wieder in elektrische Signale
umgewandelt werden.
Physikalische Grundlagen: Licht breitet sich in einem Stoff konstanter Temperatur oder konstanter Dichte geradlinig aus. Das gilt auch für die Luft. Ändert sich jedoch die Temperatur und damit die Dichte, so ändert sich auch die Lichtgeschwindigkeit in Luft. Luft unterschiedliche Dichte hat damit auch eine unterschiedliche optische Dichte. Allgemein gilt:
Je höher bei bestimmtem Druck die Lufttemperatur ist, desto kleiner ist die Dichte und desto größer ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Licht.
Dieser Effekt ist meist sehr klein und vernachlässigbar. Er spielt
dann eine Rolle, wenn die Dichteunterschiede relativ groß sind,
z.B. an der Grenzfläche
zwischen einer Schicht aus Kaltluft
und aus Warmluft (Bild 8). Das
Licht kann dann regelrecht umgelenkt werden. Man hat den Eindruck, dass
es scheinbar an der Grenzschicht total reflektiert wird. Deshalb spricht
man auch vereinfacht von der Spiegelung
des Lichtes an einer Grenzschicht zwischen kalter und warmer Luft.
Für die optische Wahrnehmung ist auch noch wichtig: Man sieht ein
Objekt immer an der Stelle, von der das Licht herzukommen scheint.