

Um die Wirkungsweise eines Transistors als Schalter richtig zu verstehen, ist es sinnvoll, ihn mit einem mechanischen Schalter zu vergleichen und zunächst die Verhältnisse in einem einfachen Stromkreis mit mechanischem Schalter zu betrachten.
Vorgänge an
mechanischen Schaltern
In erster Näherung ist ein Schalter ein Bauelement in einem Stromkreis,
das entweder einen unendlich großen Widerstand (geöffnet) oder
praktisch den Widerstandswert null hat (geschlossen). In Bild 1 ist ein
einfacher Stromkreis mit Schalter dargestellt.
Wegen seiner elektrischen Eigenschaften ergeben sich in beiden Fällen
unterschiedliche Spannungsverteilungen.
Bei geöffnetem Schalter fließt kein Strom, also liegt die gesamte
Spannung am geöffneten Schalter, am Lastwiderstand liegt keine Spannung.
Bei geschlossenem Schalter ist der Schalterwiderstand
praktisch null, die gesamte Spannung liegt am Lastwiderstand,
am Schalter ist sie null.
Stellt man diese Situation in einem I-U-
Diagramm dar, so erhält man auf der Widerstandsgeraden
nur zwei Arbeitspunkte, zwischen denen bei Schalterbetätigung lediglich
gewechselt wird. Das beschreibt Bild 2.
Die Widerstandsgerade wird wegen des sehr kleinen Innenwiderstandes einer
technischen Spannungsquelle praktisch durch den Lastwiderstand bestimmt.
Bei mechanischen Schaltern sind nur wenige Schaltvorgänge
je Sekunde erreichbar. Darüber hinaus zeigen solche Schalter in vielen
Fällen ein Verhalten, das als Prellvorgang
bezeichnet wird. Darunter ist folgendes zu verstehen: Nähert man
z.B. den beweglichen Schalterkontakt
dem feststehenden, so beträgt (er ist ja geöffnet) die Spannung
zwischen diesen beiden Punkten
.
Während des Annäherns erhöht sich aber die elektrische
Feldstärke nach
.
Da in der Luft zwischen den Schalterkontakten stets einige Ionen existieren,
werden diese durch die wachsende Feldstärke immer größeren
beschleunigenden Kräften ausgesetzt. Ihre Geschwindigkeit wird so
hoch, dass sie beim Zusammenprall mit neutralen Luftmolekülen diese
ionisieren (Stoßionisation). Dadurch kann die Gasstrecke zwischen
den Kontakten leitend werden, es kommt zu einer sogenannten Bogenentladung
(elektrischer Funke). Wenn dieser Fall eintritt, entsteht eine neue Spannungsverteilung,
denn die leitende Gasstrecke zwischen den Kontakten hat jetzt nur einen
kleinen Widerstand. Die Spannung am Schalter wird dadurch klein, die Entladung
reißt ab. Dadurch verlischt der Funke. Nun ist wieder die ursprüngliche
Situation, wegen der fortgesetzten Annäherung aber mit größerer
Feldstärke, entstanden. Es bildet sich erneut eine Funkenentladung
usw. Es werden durch diesen Mechanismus in rascher Folge Ein - Aus - Zustände
erzeugt, bis die einander genäherten Kontakte mechanisch einander
konstant berühren.
Die umgekehrten Vorgänge spielen sich beim mechanischen
Öffnen ab. Wegen des anfänglich sehr kleinen Abstandes beginnen
diese aber bei sehr hohen elektrischen Feldstärken. Diese kurzzeitigen
Bogenstrecken zerstören mit der Zeit die Schalterkontakte. Deshalb
sind beispielsweise Lichtschalter so gebaut, dass sie beim Betätigen
zunächst einen Spannvorgang für eine Zugfeder auslösen,
die dann bei Überschreiten einer bestimmten Spannkraft den eigentlichen
Schalterkontakt mit einer Geschwindigkeit bewegt, die vom Fingerdruck
auf den Schalter völlig unabhängig ist. Den Öffnungsfunken
eines Schalters kann man sogar durch die Schalterabdeckung hindurch im
dunklen Raum sehen.
Schalter, die Stromkreise mit hohen Spannungen schließen oder öffnen,
haben deshalb eine sehr aufwendige Konstruktion und gehören z.B.
in Elektroenergieverteilungen zu den teuersten Baugruppen.
Wegen der geringen Schaltfrequenz
(mechanische Trägheit) und des beschriebenen Prellvorgangs sind mechanische
Schalter für einen elektronischen Einsatz praktisch bedeutungslos.
Sie haben nur dort einen Sinn, wo bei geringen Schaltfrequenzen große
elektrische Energien geschaltet werden müssen.
Transistor als elektronischer Schalter
In der Elektronik, insbesondere in der Digitaltechnik,
gibt es umfangreiche Aufgaben, bei deren Durchführung kleine elektrische
Leistungen mit hoher Frequenz und insbesondere prellfrei zu schalten sind,
z.B. bei Oszillografen oder bei digitalen Zählern (Uhren).
Für einen npn-Transistor in Emitterschaltung
zeigt Bild 3 die Schaltung und die Verhältnisse im Kennlinienfeld.
Soll ein Transistor sich hinsichtlich der Spannungs- und Stromverhältnisse
wie ein Schalter verhalten, so muss der dem eingeschalteten Zustand entsprechende
Arbeitspunkt eine möglichst kleine Kollektor-Emitter-Spannung und
einen möglichst hohen Kollektorstrom haben. Der dem ausgeschalteten
Zustand entsprechende Zustand muss dagegen eine möglichst große
Kollektor-Emitter-Spannung und einen möglichst kleinen Kollektorstrom
besitzen.
Um den Punkt
trotz Exemplarstreuungen des eingesetzten Transistors immer sicher zu
erreichen, arbeitet man mit einer Übersteuerungstechnik,
d.h. man wählt einen um 20% bis 50% überhöhten Basisstrom.
Um den Punkt
sicher zu erreichen, darf kein Basisstrom mehr fließen, der Kollektorstrom
muss praktisch der Kollektorreststrom sein. Man könnte also zusammenfassend
formulieren:
Durch die sprunghafte Änderung des Basisstromes
ändert sich auch der Kollektorstrom sprunghaft. Damit wirkt ein Transistor
als trägheitsloser elektronischer Schalter.
Im Bild 4 ist eine häufig eingesetzte Anwenderschaltung
zu sehen, in der Helligkeitsschwankungen in elektrische Spannungen, die
nur zwei Werte entsprechend den beiden Schalterarbeitspunkten
besitzen.
Fällt Licht auf die Fotodiode, verringert sich ihr Widerstand. Die
Basis-Emitter-Spannung reicht nicht mehr zum Durchsteuern des Transistors,
er sperrt. Am Kollektor liegt praktisch die Betriebsspannung. Ohne Lichteinfall
ist der Diodenwiderstand so groß, dass ein hoher Basisstrom fließt,
der Transistor ist also durchgesteuert, seine am Kollektor liegende Spannung
ist nur die Sättigungsspannung von etwa 0,2 V. Da die Diode ihre
Leitfähigkeit mit hoher Frequenz ändern kann, lässt sich
diese Schaltung vielfach nutzen.
Ein Beispiel ist die Drehzahlmessung.
Bei jeder Umdrehung wird ein Lichtweg einmal unterbrochen. Die dabei entstehenden
Spannungen werden mithilfe eines Zählers immer 1s lang gezählt
und angezeigt. Nach Ablauf einer Sekunde wird der Zählvorgang neu
gestartet, die Zähleranzeige auf null zurück gesetzt.
Schalten induktiver
Lasten
Liegt in der Kollektorleitung ein Bauelement mit einer Induktivität,
so kommt es während des Schaltvorganges wegen der auftretenden Selbstinduktion
zu Problemen. Wird der Kollektorstrom eingeschaltet, so induziert das
sich in der Spule aufbauende Magnetfeld (lenzsche Regel) eine Induktionsspannung
entgegengesetzter Polarität zur anliegenden Spannung. Dadurch wird
das sprunghafte Ansteigen des Kollektorstroms verhindert, der Arbeitspunkt
verschiebt sich langsamer auf der Widerstandsgeraden. Bei genügend
großer Induktivität darf diese dann die Verlustleistungshyperbel
nicht mehr schneiden, da eine unzulässige Erwärmung des Transistors
die Folge wäre.
Unter Umständen viel problematischer wird dagegen der Ausschaltvorgang.
Die dabei entstehende Selbstinduktionsspannung ist zur anliegenden gleich-gerichtet,
beide addieren sich. Da der gesperrte Transistor den größten
Widerstand hat, fällt praktisch die Summe aus Betriebs- und Induktionsspannung
über der Emitter-Kollektor-Strecke ab. Diese Spannungssumme übersteigt
in den meisten Fällen den zulässigen Maximalwert von
,
der Transistor wird zerstört. Abhilfe schafft hier eine parallel
zur Induktivität geschaltete Richtdiode,
die für die Selbstinduktionsspannung in Flussrichtung liegt, also
ihren Aufbau verhindert. Eine solche Diode wird als Freilaufdiode
bezeichnet.