



Die
historische Entwicklung
Die Erfindung und Entwicklung der Transistoren konnte erst möglich
werden, weil bereits im 19. Jahrhundert die Entdeckung der heute umfassend
eingesetzten Halbleiterwerkstoffe gelang. 1823 entdeckte J.J. BERZELIUS
(1779-1848) bereits das Silicium,
während das Germanium erst
1886 von C. WINKLER (1838-1904) gefunden wurde.
Die Entwicklung zum heutigen modernen Transistor vollzog sich dann in
mehreren Etappen, deren Abgrenzung voneinander teilweise recht willkürlich
ist.
In der 1. Etappe, die etwa von 1870
bis 1920 reicht, wurden Eigenschaften der damals bekannten Halbleitermaterialien
experimentell untersucht. Dabei entdeckte F. V. BRAUN (1850-1918) bei
der Untersuchung des Stromflusses über eine Kontaktstelle zwischen
einem Metall und einem Kristall, dass der Stromfluss von der Polarität
der angelegten Spannung bestimmt wird (Gleichrichtereffekt).
Etwa im Jahre 1906 gelang es, den zum Empfang hertzscher Wellen unerlässlichen
"Kohärer" durch den Detektor, einen Metallspitzen-Halbleiter-Übergang,
zu ersetzen. Ebenfalls in dieser Zeit wurde der erste Metallspitzen-Silicium-Übergang
zur HF-Gleichrichtung bekannt.
Diese und weitere Forschungsergebnisse führten letztlich zur Entwicklung
leistungsfähiger Gleichrichter
(Kupferoxydul- und Selengleichrichter), ohne dass eine geschlossene Theorie
für die Vorgänge in den Halbleitermaterialien vorlag.
Die sich daran anschließende 2. Etappe
war einerseits von einer intensiv betriebenen Grundlagenforschung gekennzeichnet
und erhielt im 2. Weltkrieg durch die Bedürfnisse der sich rasch
entwickelnden HF-Technik, insbesondere der Radartechnik, bedeutende Impulse.
Am Ende des Krieges gab es eine ausreichend gesicherte theoretische Basis
und im Bereich der Halbleiterdioden für Höchstfrequenzanwendungen
auch industriell beherrschbare technologische Verfahren.
Somit begann etwa 1946/47 die gezielte Erforschung von Halbleiterstrukturen
mit Verstärkereigenschaften. Am 30.06.1948 stellte die Forschungsgruppe
der Bell-Laboratorien
in New York den ersten funktionsfähigen Transistor der Welt vor.
Die drei führenden Wissenschaftler, JOHN BARDEEN (1908-1991), WALTER
HOUSER BRATTAIN (1902-1987) und WILLIAM BRADFORD SHOCKLEY (1910-1989),
deren Erfindung im US-Patent 2524035 beschrieben ist, erhielten dafür
im Jahre 1956 den Nobelpreis für Physik.
Dieser erste Transistor war ein Spitzentransistor auf der Grundlage von Germanium. Auf ein Ge-Plättchen waren in geringem Abstand voneinander zwei Metallspitzen aufgesetzt. Durch einen exakt definierten Formierungsstromstoß einer Kondensatorentladung wurde in der Umgebung jeder der beiden Metallspitzen eine Umdotierung des Germaniums erreicht. Das Aufbauprinzip ist in Bild 1 skizziert. Dieses Gebilde als Resultat langer Versuchsreihen wies zwar den Verstärkereffekt auf, war aber in dieser Form nicht für eine industrielle Großproduktion geeignet.
Die ab 1948 einsetzende 3. Etappe, die bis 1958 reichte, vervollkommnete einerseits die theoretischen Grundlagen und diente andererseits der Schaffung von Technologien, die den Transistor zu einem stabil arbeitenden und preiswerten Massenprodukt werden ließen.
Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der theoretischen Grundlagen
nahm SHOCKLEY. So stellte er 1949 die Theorie der pn-Übergänge
vor und schuf 1952 die theoretischen Grundlagen der Feldeffekttransistoren
(FET). Interessant dürfte in
diesem Zusammenhang die Bemerkung sein, dass bereits 1929 LILIENFELD ein
Patent zur Feldeffektsteuerung anmeldete, welches aber zu diesem Zeitpunkt
technologisch fern jeder Realisierbarkeit war. Anfang der fünfziger
Jahre des 20. Jahrhunderts gelang der Übergang von der ursprünglich
auf der Grundlage von Germanium arbeitenden Technologie zum Halbleitermaterial
Silicium, welches vor allem einen deutlich geringeren Eigenleitungsanteil
besaß und damit die stark temperaturabhängigen Restströme
extrem senken konnte.
Bedingt durch die für Silicium immer besser beherrschbare Herstellbarkeit
von großen einkristallinen Strukturen, die durch das CZOCHRALSKI-Ziehverfahren
in Verbindung mit dem Zonenschmelzen möglich wurden, konnte man aus
den in Stangenform gewonnenen Einkristallen durch eine spezielle Trenntechnik
große Si-Scheiben gewinnen. Mithilfe einer Mehrschritt-Ätz-und
Aufdampftechnik wurde es möglich, auf einer derartigen Scheibe viele
hundert Transistoren gleichzeitig herzustellen.
Am Ende der Folge der Bearbeitungsschritte wurde durch aufgesetzte Kontakte
eines Prüfautomaten jeder Transistor auf seine Funktionsfähigkeit
geprüft. Defekte Transistoren wurden mit einem Farbpunkt markiert.
Anschließend wurde die Scheibe mittels Diamanten so geritzt, dass
nach dem Zerbrechen winzige Transistoreinheiten vorlagen. Da der Farbstoff,
mit dem defekte Einheiten markiert ("geinkt") waren, eine ferromagnetische
Beimischung enthielt, konnten diese mithilfe eines kleinen Magneten ohne
Probleme von den intakten getrennt werden. Die intakten Transistoren wurden
dann kontaktiert und in ein Schutzgehäuse eingeschlossen.
Die hier skizzierte Technologie lieferte natürlich Transistoren
mit flächenhaft eingearbeiteten Emitter- und Kollektorzonen. Die
Kontaktierung zu den Außenanschlüssen erfolgte in der Regel
mit Golddraht.
Da die Siliciumzonen, auf denen Transistoren erzeugt werden sollten, einen
hochreinen und praktisch idealen Kristallaufbau verlangen, die Randzonen
dieser Kristallscheiben aber naturgemäß Störungen der
Gitterstruktur aufwiesen, ging die technologische Entwicklung zu immer
größeren Scheibendurchmessern. Das liefert gleichzeitig die
Möglichkeit, die Zahl der auf einer Scheibe herstellbaren Transistoren
erheblich zu erhöhen.
Aus der fortgeschrittenen Herstellungstechnologie
vieler Einzeltransistoren auf einer zusammenhängenden Si-Fläche,
die im letzten Bearbeitungsschritt dann getrennt wurde, entstand 1958
der Gedanke, vor dem Auftrennen in einzelne Transistoren einige von ihnen
untereinander zu einer größeren Einheit zu verbinden. Das war
die Geburtsstunde der Bauelemente, die heute als integrierte
Schaltkreise bezeichnet werden.
Als Erste realisierten KILBY und NOYCE eine derartige Schaltung. Dass
dazu einerseits auf der Trägerfläche die einzelnen Transistoren
voneinander elektrisch abgegrenzt werden mussten, war nur eine der vielen
neuen Teilaufgaben bei der Herstellung integrierter Schaltungen. Neben
dem Transistor mussten Widerstände und Kondensatoren realisiert werden.
Dieser Prozess, der 1958 begann, ist auch heute noch nicht zu einem Ende
gekommen.
Hauptsächliche Zielgruppe war ursprünglich die sich rasch entwickelnde
Rechentechnik mit ihrem großen Bauelementebedarf, sodass anfangs
nur digitale Schaltkreise entwickelt wurden.
Die technologischen Möglichkeiten gestatteten aber 1969 die Realisierung
der ersten integrierten Analogschaltung. Es handelt sich dabei um einen
Operationsverstärker,
der noch heute als Universalverstärker zum Einsatz kommt. Auch diesem
ersten Bauelement einer neuen Generation folgten bis heute viele nach.
Die technologische Realisierung von Transistoren
Transistoren gibt es in zwei grundverschiedenen Varianten:
In einer muss der zu steuernde Laststrom zweimal Grenzschichten passieren
(bipolare Transistoren),
in der zweiten verbleibt er stets in einem Leitungsgebiet (unipolare
Transistoren).
Aus den Möglichkeiten der Technologie der Halbleiterwerkstoffe resultiert
der Umstand, dass zuerst die bipolaren Transistoren erfunden wurden, obgleich
die unipolaren in ihrer Funktionsweise strukturell den damals bekannten
Elektronenröhren fast völlig entsprechen. Das macht aber die
Tatsache verständlich, dass bereits in den 30er Jahren (freilich
seinerzeit nicht realisierbare) Konzeptionen für Feldeffekt-Halbleiterbauelemente
vorgelegt wurden.
Dem ersten bipolaren Spitzentransistor folgte bald der Ge-Legierungs-Transistor
(Bild 2). Die weitere Vervollkommnung der Technologie brachte dann den
Mesatransistor, der als erster die gleichzeitige Herstellung vieler Transistoren
auf einer einzigen Ge-Fläche ermöglichte. Dadurch ließ
sich eine wesentliche Steigerung in der Erzielung gleicher Betriebsparameter
erreichen.
Der Si-Epitaxial-Transistor (Bild 3) bereitete die Grundlagen der integrierten Schaltungstechnik vor. Die im Rahmen der Epitaxie-Prozesse entwickelten Dotierungsverfahren ermöglichten etwa ab 1960 die Serienfertigung unipolarer Feldeffekttransistoren (FET). Dabei besteht aber der FET ebenso wie der bipolare Transistor aus p- und n-dotiertem Material. Während im bipolaren Transistor der zu steuernde Laststrom auf seinem Weg von der Quelle (sie heißt hier Emitter) zur Senke, die hier als Kollektor bezeichnet wird, zwei pn-Übergänge passieren muss, verbleibt er im unipolaren Transistor zwischen Quelle (hier Source genannt) und Senke (hier Drain) in einem durchgängig einheitlich dotierten Bereich den man als Kanal bezeichnet.
Dieser Kanal kann aus p- oder aus n-dotiertem Material bestehen und ist
rundum von n- oder p-dotiertem Material umgeben. Im Bild 4 ist das Prinzip
dargestellt. Die Steuerung des Laststromes wird dadurch möglich,
dass ein von außen wirkendes elektrisches Feld diesen Kanalquerschnitt
beeinflusst bzw. die Ladungsträgerkonzentration verändert.
Eine Übersicht über die einzelnen Transistorstrukturen mit ihren Schaltzeichen zeigt Bild 5.
Der Kennzeichnungsschlüssel für
Transistoren
Dieser Schlüssel gilt unabhängig vom Aufbau
des Transistors. Er klassifiziert vielmehr nach solchen Aspekten, die
für den Anwender von Bedeutung sind. In Europa werden die Bezeichnungen
eine in Brüssel angesiedelte internationale Kommission - PRO ELECTRON
- festgelegt. Danach werden alle Halbleiterbauelemente mit zwei Buchstaben
und einem laufenden Kennzeichen (kann Buchstaben und Zahlen enthalten)
charakterisiert.
| 1.Buchstabe Material : | A | Germanium |
| B | Silizium | |
| C | III-V-Material (z.B. GaAs) | |
| 2.Buchstabe Funktion: | C | Transistor im Tonfrequenzbereich |
| D | Leistungstransistor für Tonfrequenzbereich | |
| F | Hochfrequenztransistor | |
| L | Hochfrequenz-Leistungstransistor | |
| S | Transistor für Schalteranwendungen | |
| U | Leistungstransistor für Schalteranwendungen | |
| Kennzeichen Einsatzbereich | Dreistellige Zahl | Bauelemente der Heimelektronik (100 bis 999) |
| Buchstabe gefolgt von einer zweistelligen Zahl | Bauelemente der industriellen
Elektronik sowie weitere mit erhöhten Anforderungen (Y10 bis A99) |
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