





Volumenänderung
fester Körper
Bei einer bestimmten Temperatur nimmt ein fester Körper ein bestimmtes
Volumen ein. Unter der Bedingung, dass er sich ausdehnen kann, gilt:
Wenn sich die Temperatur des Körpers ändert, so ändert sich im Allgemeinen auch sein Volumen.
Bei Erhöhung der Temperatur
dehnen sich feste Körper aus, bei Verringerung der Temperatur ziehen
sie sich zusammen. Eine Ausnahme ist Eis. Die Volumenverringerung bei
Verringerung der Temperatur kann man z.B. bei der Stahlproduktion beobachten
(Bild 1): Der Stahl in den Kokillen kühlt sich allmählich ab.
Dabei verringert sich sein Volumen. Nach Abkühlung können die
Stahlblöcke aus den Kokillen herausgehoben und weiterverarbeitet
werden.
Unter der Bedingung, dass sich
ein fester Körper frei ausdehnen kann, gilt für die Volumenänderung:
Ist nur die
Flächenänderung von praktischer Bedeutung, so kann man diese
mit der Gleichung:
Für die Längenänderung gilt dann:

Bedeutung
der Volumenänderung von festen Körpern
Die Volumenänderung fester Körper bei Temperaturänderung
muss in vielen Bereichen der Technik beachtet werden. So dehnen sich z.B.
massive Metallkörper
wie Wellen oder Achsen bei Temperaturerhöhung aus. Diese Volumenänderung
muss bei der Konstruktion von Lagern berücksichtigt werden. Auch
große Brücken, massive Teile von Kranen oder Staudämme
müssen so konstruiert und gebaut werden, dass Volumenänderungen
die Funktionstüchtigkeit nicht beeinflussen und auch zu keinen Schäden
führen.
Die Volumenänderung von festen Körpern spielt z. B. auch bei
Zahnfüllungen eine
Rolle: Unsere Zähne sind unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt
und verändern mit der Temperatur auch ihr Volumen. Die Stoffe für
Zahnfüllungen müssen u. a. so ausgewählt werden, dass ihre
Volumenänderung bei Temperaturänderung etwa genauso groß
ist wie die der Zähne. Das Gleiche gilt für die verwendeten
Klebstoffe. Ansonsten würden die Füllungen sehr schnell wieder
herausfallen.
Bei vielen festen Körpern, z. B. Drähten, Schienen, Rohren und
Brücken, spielt nur die Änderung der Ausdehnung des Körpers
in einer Richtung - die Längenänderung - eine Rolle. Genauere
Informationen dazu sind unter dem Stichwort "Längenänderung
von Körpern" zu finden.
Volumenänderung
von Flüssigkeiten
Für Flüssigkeiten, die sich ausdehnen können gilt wie für
feste Körper:
Wenn sich die Temperatur der Flüssigkeit ändert, so ändert sich im Allgemeinen auch ihr Volumen.
Dabei
gelten die gleichen Zusammenhänge wie für feste Körper,
auch die entsprechenden Gleichungen für die Berechnung der Volumenänderung
bzw. des neuen Volumens, die oben genannt sind. Der stoff- und temperaturabhängige
Volumenausdehnungskoeffizient ist für Flüssigkeiten in der Regel
größer als für feste Stoffe.
So beträgt z. B. der Volumenausdehnungskoeffizient für Benzin 0,001 1/K. Bei einer Temperaturänderung von 1 Kelvin ändert sich das Ausgangsvolumen von Benzin um den Faktor 0,001. Das erscheint wenig. Beträgt aber z. B. die Temperaturänderung 20 K und die Tankfüllung eines Pkw 50 l, so erhält man als Volumenänderung:
Wäre der Tank randvoll gefüllt, würden 1 Liter Benzin auslaufen
und die Umwelt verschmutzen.
Eine Ausnahme im Volumenverhalten bei Temperaturänderung bildet Wasser,
das bei 4 °C sein kleinstes Volumen und damit seine größte
Dichte hat. Genauere Informationen dazu sind in dem Beitrag "Anomalie
des Wassers" zu finden.
Bedeutung
der Volumenänderung von Flüssigkeiten
Die Volumenänderung von Flüssigkeiten bei Temperaturänderung
muss einerseits in vielen Bereichen beachtet
werden. Andererseits wird sie auch genutzt.
Eine Beachtung der Volumenänderung ist z. B. beim Betanken von Fahrzeugen
erforderlich (Bild 4). Beachtet werden muss die Volumenänderung auch
bei der Füllung von Flaschen, Tankwagen, Warmwasserheizungen oder
Kühlern. In der Regel erfolgt wegen der Volumenänderung bei
Temperaturänderung keine randvolle Füllung oder es ist, wie
bei Warmwasserheizungen und Kühlern, ein Ausgleichsgefäß
oder Ausdehnungsgefäß
vorhanden.
Die Nutzung der Volumenänderung von Flüssigkeiten erfolgt in
unterschiedlicher Weise. Bei Flüssigkeitsthermometern
ändert sich aufgrund der Volumenänderung mit der Temperatur
die Höhe der Flüssigkeitssäule. Zwar dehnt sich auch das
Glasgefäß des Thermometers bei Temperaturerhöhung aus,
aber diese Ausdehnung ist wesentlich geringer als die der Thermometerflüssigkeit.
Genauere Hinweise zu Thermometern sind unter dem Stichwort "Thermometer"
zu finden.
Genutzt
wird die Volumenausdehnung von Flüssigkeiten bzw. von Gasen auch
bei Thermostaten.
Darunter versteht man einen Regler, der in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur
die Menge des zufließenden oder abfließenden heißen
Wassers steuert. Genutzt werden Thermostaten z.B. in Thermostatventilen
an Heizkörpern oder zur Regulierung des umlaufenden Wassers im Kühlkreislauf
eines Pkw.
Bild 5 zeigt den Aufbau eines Thermostaten, wie er zur Regulierung der
Raumtemperatur bei Heizkörpern
genutzt wird.
Um ein verformbares Wellrohr
befindet sich in einem abgeschlossenen und gut abgedichteten Gefäß
eine Flüssigkeit oder ein Gas. Das Wellrohr ist über einen Stift
mit einem Ventil verbunden. Erhöht sich die Umgebungstemperatur,
so erhöht sich auch die Temperatur der Flüssigkeit oder des
Gases. Bei Temperaturerhöhung dehnt sich die Flüssigkeit oder
das Gas aus. Das Wellrohr wird dadurch zusammengedrückt und demzufolge
das Ventil weiter geschlossen.
Verringert sich dagegen die Umgebungstemperatur, so verringert sich auch
die Temperatur der Flüssigkeit oder des Gases. Bei Verringerung der
Temperatur verkleinert sich das Volumen der Flüssigkeit oder des
Gases. Das Wellrohr kann sich ausdehnen. Das Ventil wird demzufolge weiter
geöffnet.
Ähnlich funktioniert auch ein Thermostat im Kühlkreislauf
eines PKW: Die Umgebungstemperatur
ist in diesem Falle die Temperatur der Kühlflüssigkeit im normalen
Betriebszustand. Sie liegt bei ca. 90 °C. Erhöht sich diese Temperatur
durch starke Belastung des Motors, so sorgt der Thermostat dafür,
dass mehr Kühlflüssigkeit umläuft. Bei Verringerung der
Temperatur der Kühlflüssigkeit wird die umlaufende Kühlwassermenge
verringert. Insgesamt wird damit erreicht, dass die Temperatur der Kühlflüssigkeit
im Betriebszustand in einem engen Temperaturintervall bleibt. Darüber
hinaus wird durch den geschlossenen Thermostaten beim Starten eines länger
abgestellten Pkw ein schnelles Erreichen der Betriebstemperatur gewährleistet.
Volumenänderung
von Gasen
Auch das Volumen von Gasen kann sich bei Temperaturveränderung vergrößern
oder verkleinern. Das kann man z.B. beobachten, wenn man einen schwach
aufgeblasenen Wasserball oder eine Luftmatratze in die Sonne legt. An
diesem Beispiel wird schon deutlich, dass sich mit dem Volumen zumeist
auch der Druck ändert.
Ist der Druck konstant, wie das bei einem Zylinder mit beweglichem Kolben
(Kolbenprober) der Fall ist, dann gilt für die Volumenänderung
das Gesetz von GAY-LUSSAC:
Wie ein Vergleich der Volumenausdehnungskoeffizienten zeigt, ist der Wert für die verschiedenen Gase ähnlich, während der für verschiedene Flüssigkeiten oder feste Körper recht unterschiedlich ist. Der physikalische Hintergrund dafür ist, dass sich die meisten Gase wie das Modell ideales Gas verhalten. Für das ideale Gas gilt, dass der Volumenausdehnungskoeffizient folgenden Wert hat:
Ist der Druck nicht konstant, so ändern sich bei einem Gas mit der Temperatur Volumen und Druck. Die Zusammenhänge werden durch die allgemeine Zustandsgleichung für das ideale Gas erfasst. Genauere Informationen sind in dem entsprechenden Beitrag auf der CD zu finden.
Bedeutung
der Volumenänderung von Gasen
Die Volumenänderung von Gasen bei Temperaturänderung muss einerseits
in vielen Bereichen beachtet werden. Andererseits wird sie auch genutzt.
Bei abgeschlossenen Gefäßen kann sich das Volumen nicht ändern.
Dann erhöht sich bei Erhöhung der Temperatur der Druck im Gefäß.
Eine Beachtung der Volumenänderung ist z. B in allen Räumen
erforderlich, in denen der Druck näherungsweise konstant ist. Das
ist in einem Wohnraum der Fall. Ändert sich dort die Temperatur,
so ändert sich auch die Volumen der Luft, die sich im Raum befindet.
Je nach der Art der Temperaturänderung strömt Luft ein oder
aus.
Bei Wasserbällen oder Luftmatratzen kann man beobachten, dass sie
sich stärker "aufblasen", wenn sie in der Sonne liegen.
Der Druck in ihnen wird bei Temperaturerhöhung größer.
Das kann im Extremfall bis zum Platzen führen.
Reifen von Fahrzeugen können sich aufgrund ihrer Konstruktion kaum
ausdehnen. In ihnen erhöht sich bei Temperaturerhöhung der Druck.
Deshalb sollte man auch nicht den Luftdruck in einem Reifen nach einer
längeren Fahrt kontrollieren und korrigieren.
Die Nutzung der Volumenänderung von Gasen erfolgt in unterschiedlicher
Weise. Ein Beispiel ist das Gasthermometer.
Hier wird angewendet, dass sich das Volumen eines abgeschlossenen
Gases mit Temperaturerhöhung vergrößert und mit Verringerung
der Temperatur verkleinert.