
WILHELM LUDWIG FRANZ HALLWACHS (1859-1922), meist abgekürzt als WILHELM HALLWACHS (Bild 1) bezeichnet, lebte in einer Zeit, in der die klassische Physik weitgehend abgeschlossen wurde und sich die moderne Physik mit der Quantentheorie zu entwickeln begann. Zeitgenossen von HALLWACHS waren u. a. solche bedeutenden Physiker wie HEINRICH HERTZ (1857-1894), MAX PLANCK (1858-1947), ALBERT EINSTEIN (1879-1955) oder PHILIPP LENARD (1862-1947). Gerade um die Wende zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert wurden zahlreiche bedeutende Entdeckungen gemacht. HEINRICH HERTZ konnte 1886 die Existenz elektromagnetischer Wellen nachweisen. MAX PLANCK trug 1900 erstmals Grundgedanken der Quantentheorie vor, ALBERT EINSTEIN veröffentlichte 1905 die spezielle Relativitätstheorie, PHILIPP LENARD führte wichtige Versuche zu den Eigenschaften von bewegten Elektronen durch.
Leben und Wirken
Über die Kindheit und Jugend von WILHELM HALLWACHS sind kaum Einzelheiten
bekannt. Nach der Schule und dem Studium der Physik promovierte HALLWACHS
in Straßburg bei dem damals berühmten Experimentalphysiker
AUGUST KUNDT (1839-1894). Anschließend arbeitet er als Assistent
von FRIEDRICH KOHLRAUSCH (1840-1910) an der Universität Würzburg,
an der später RÖNTGEN tätig war und seine berühmte
Entdeckung der Röntgenstrahlen machte.
1886 erwarb WILHELM HALLWACHS die Lehrbefähigung in Leipzig, ging
aber 1888 wieder zu FRIEDRICH KOHLRAUSCH, der nun in Straßburg tätig
war.
1893 übernahm HALLWACHS eine ordentliche Professur für Elektrotechnik
an der Technischen Hochschule Dresden und wurde hier im Jahre 1900 zum
Ordinarius für Physik berufen. In seiner Zeit als Hochschullehrer
hat er sich insbesondere um die Einführung und Weiterentwicklung
des Studiums der technischen Physik verdient gemacht. Sein Hauptinteresse
galt der Entwicklung und Präzisierung der messenden Physik. Er schuf
u.a. eine Reihe neuer und genauerer Elektromessgeräte.
Wissenschaftliche Leistungen
Die bedeutendste wissenschaftliche Leistung von HALLWACHS ist eng mit
den Arbeiten anderer Physiker verbunden, insbesondere mit denen von HEINRICH
HERTZ.
HERTZ beobachtete 1887 während seiner Versuche mit elektromagnetischen
Wellen, dass der Funkenüberschlag bei einer Funkenstrecke durch auffallendes
ultraviolettes Licht beeinflusst wurde. HERTZ benutzte eine Funkenstrecke
zum Nachweis elektromagnetischer Wellen. Er selbst untersuchte diesen
Effekt nicht genauer. Auf seine Anregung hin beschäftigten sich HALLWACHS
und LENARD intensiver damit.
HALLWACHS fand bei seinen Untersuchungen, dass sich eine negativ aufgeladene
geschmirgelte Zinkplatte, die
mit ultraviolettem Licht bestrahlt wird, entlädt (Bild 2). Die Platte
musste also unter dem Einfluss der Bestrahlung negativ geladene Teilchen
abgeben. Dieser Effekt wurde zunächst nach seinem Entdecker als HALLWACHS-Effekt
bezeichnet und wird heute äußerer lichtelektrischer
Effekt oder äußerer Fotoeffekt
genannt.
LENARD wies nach, dass die austretenden
Teilchen Elektronen sind, deren Anfangsgeschwindigkeit von der Frequenz
der auftreffenden Strahlung abhängig ist.
EINSTEIN schließlich stellte
1905 eine Energieformel für den lichtelektrischen Effekt auf, der
seine Lichtquantenhypothese stützte.